HomeWIRTSCHAFTWirtschaftskriminalität ist in der Schweiz auf dem Vormarsch

Wirtschaftskriminalität ist in der Schweiz auf dem Vormarsch

Wirtschaftskriminalität ist in der Schweiz auf dem Vormarsch

Wirtschaftsdelikte werden immer öfter begangen. So haben Schweizer Gerichte letztes Jahr 48 Fälle mit einer Mindestdeliktsumme von 50‘000 Franken und einem Gesamtschaden von 363 Millionen Franken behandelt. Das ist eine Zunahme um 119% in einem Jahr.

Wirtschaftsdelinquenten treiben immer öfter ihr Unwesen und schädigen insbesondere öffentliche Institutionen und ihre Kunden. Vor Gericht gelangten letztes Jahr 48 Fälle, mit einer Mindestdeliktsumme von 50‘000 Franken, die einen Gesamtschaden von 363 Millionen Franken anrichteten. Die Schadensumme nahm im Vorjahresvergleich um satte 119% zu; 2018 lag sie noch bei 166 Millionen Franken. Zwar ist die Anzahl der Wirtschaftsdelikte (48 Fälle) verglichen zu 2018 (50 Fälle) leicht tiefer. Doch die Deliktsumme pro Fall hat sich von 3,3 Millionen auf 7,7 Millionen Franken mehr als verdoppelt. Dies zeigt das aktuelle «KPMG Forensic Fraud Barometer». Da sehr viele Fälle nicht zur Anzeige gebracht werden, dürfte die Dunkelziffer noch um ein Vielfaches höher liegen.

Management verursacht die grössten Schäden

Auch letztes Jahr, wie bereits 2018, haben gewerbsmässige Betrüger die meisten Delikte begangen (14 Fälle), gefolgt von Mitarbeitenden (11 Fälle) und dem Management (11 Fälle). Den mit einer Deliktsumme von 136 Millionen Franken weitaus grössten Schaden verursachte das Management. Bei dieser Tätergruppe ist der sprunghafte Anstieg der Schadenssumme auffälllig: sie hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verzehnfacht (2018: CHF 12 Mio.).

Mitarbeitende sind zweitgrösste Tätergruppe

Die zweitgrösste Tätergruppe in Bezug auf das Schadensvolumen ist die Belegschaft (CHF 63 Mio.). «Das KPMG Forensic Fraud Barometer 2019 zeigt, dass die grösste Gefahr von Insidern ausgeht. Mitarbeitende und Führungskräfte waren letztes Jahr für fast die Hälfte aller Fälle verantwortlich und für mehr als die Hälfte der gesamten Deliktsumme», so Anne van Heerden, Leiter Forensik bei KPMG.

Organisiertes Verbrechen hat mit 25 Mio. den grössten Schaden pro Fall verursacht

Bezogen auf die Fallzahlen scheint das organisierte Verbrechen mit nur zwei Delikten zwar vernachlässigbar, hat aber mit einem durchschnittlichen Schadensvolumen von 25 Millionen Franken den grössten Schaden pro verhandelten Fall zu verantworten. Über alle Tätergruppen gesehen lag die durchschnittliche Deliktsumme bei 7,7 Millionen Franken. Neun Delikte haben einen Schaden von über 10 Millionen Franken verursacht.

Abb. 1: Wirtschaftskriminalität nach Tätergruppe

Finanzinstitute sahen sich mit grosser krimineller Energie konfrontiert

Mit zwölf bzw. zehn Fällen und einer Deliktsumme von 96 bzw. 144 Millionen Franken waren Kunden und öffentliche Institutionen 2019 die am stärksten betroffene Opfergruppe. Auch Finanzinstitute sahen sich mit grosser krimineller Energie konfrontiert: Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl öffentlich verhandelter Fälle von drei auf sechs verdoppelt; die Deliktsumme ist mit 43 Millionen Franken dreimal höher als 2018 (CHF 15 Mio.).

Abb. 2: Wirtschaftskriminalität nach Opfergruppe

Teuerste Delikte wurden in der Region Espace-Mittelland begangen

Mit 29 Millionen Franken lag die durchschnittliche Schadenssumme in der Region Espace-Mittelland mit Abstand am höchsten. Vier Fälle haben dort einen Schaden von insgesamt 116 Millionen Franken verursacht. Bezogen auf die Anzahl Fälle sind die Genferseeregion (13 Fälle) und Zürich (12 Fälle) am stärksten von Wirtschaftskriminalität betroffen. Die Hälfte der gerichtlich behandelten Delikte entfiel 2019 auf diese Regionen.

Im Vergleich dazu sind die Innerschweiz mit zwei Delikten (Schadenssumme CHF 1,4 Mio) und das Tessin mit einem einzigen öffentlich verhandelten Delikt (Schadenssumme CHF 2,6 Mio.) wie bereits 2018 wenig tangiert. In den drei vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verhandelten Fällen ging es um eine Gesamtschadenssumme von 53 Millionen Franken.

Über das Forensic Fraud Barometer

Das «KPMG Forensic Fraud Barometer» erfasst jedes Jahr die öffentlich verhandelten und medial publizierten Gerichtsfälle. Zu diesem Zweck wurden über 4‘000 relevante Artikel verschiedener Schweizer Medien aus dem Jahr 2019 analysiert. Im aktuellen «KPMG Forensic Fraud Barometer» wurden ausschliesslich Artikel berücksichtigt, die über erstinstanzliche Verurteilungen von Wirtschaftsdelikten über 50‘000 Franken vor Schweizer Gerichten berichteten.

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