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Weltweit gibt es immer mehr Dollar-Millionäre

Weltweit gibt es immer mehr Dollar-Millionäre

Die Anzahl der ‘High Net Worth Individuals’ und ihre Vermögen sind 2019 um fast 9% gestiegen. Dies trotz globalem Wirtschaftsabschwung, internationalen Handelskriegen und geopolitischen Spannungen. In der Schweiz stieg ihre Zahl um 13.9% an.

Den stärksten Zuwachs an HNWI und Vermögen gab es 2019 in Nordamerika (11%) und in Europa (9%), womit diese Regionen seit 2012 erstmals wieder vor der Region Asien-Pazifik (mit 8%) liegen. Doch der weitere Verlauf des Booms ist mit Unsicherheiten behaftet, da sich die Weltwirtschaft 2020 gemäss dem Internationalen Währungsfonds IWF auf 4.9% weniger Wachstum einstellen muss.

Nordamerika verzeichnete 2019 den stärksten Zuwachs

Mit dem Anstieg an Dollar-Millionären und Gesamtvermögen um 11% in Nordamerika (gegenüber einem Vermögensrückgang um 1% im Vorjahr) steht die Region 2019 für 39% des HNWI- und 37% des Vermögenswachstums weltweit. Europa übertraf mit der wachsenden Anzahl sowie dem angestiegenen Gesamtvermögen der HNWI von fast 9% ebenfalls das Wachstum in den Regionen Asien-Pazifik und Lateinamerika. Trotz der robusten Marktleistung mehrerer asiatischer Länder, darunter Hongkong, China und Taiwan, wuchs diese Region 2019 insgesamt nur um knapp 8% und blieb damit hinter der durchschnittlichen weltweiten Wachstumsrate der Anzahl an HNWI von fast 9% zurück.

Schweiz liegt international auf dem 7. Rang

Die Vereinigten Staaten, Japan, Deutschland, China und Frankreich blieben auch 2019 die fünf Länder mit den meisten HNWI, wobei ihr Beitrag gegenüber 2018 deutlich zunahm. Die vier führenden Länder stellten 2019 fast 62% der HNWI, die über 67% des weltweiten HNWI-Vermögens verfügten. Die Schweiz nimmt in dieser Aufstellung den siebten Rang ein. Die Zahl der Dollar-Millionäre stieg hierzulande um 13.9% auf 438’000. Ihr Gesamtvermögen stieg um 14.1%.

Anzahl HNWI nach Ländern 2019

COVID-19 Pandemie liess 18 Billionen Dollar Vermögen verschwinden

Laut Berichten der World Federation of Exchanges verschwanden durch COVID-19 im Februar und März 2020 mehr als 18 Billionen US-Dollar von den Weltmärkten, bevor es im April wieder zu einer leichten Erholung kam. Die Analyse vom Unternehmensberater Capgemini prognostiziert zum Stichtag Ende April 2020 im Vergleich zu Ende Dezember 2019 einen Rückgang des globalen Gesamtvermögens um 6%-8%. Demnach haben sich auch die Investitionsprioritäten verschoben. Nachhaltige Investitionen mit ökologischen und sozialen Prioritäten, die bereits vor der Pandemie einen Aufschwung erlebten, gewinnen nach der Pandemie weiter an Bedeutung.

Nachhaltige Investitionen und Mehrwertdienste gewinnen an Zugkraft

Das wachsende Interesse an nachhaltigen Investitionen (Sustainable Investing, SI) bietet Vermögensverwaltern vielversprechende Möglichkeiten, ist Capgemini überzeugt. Denn 27% der HNWI bekundeten in der Umfrage Interesse an SI-Produkten. Bis Ende 2020 planen sie 41% und bis Ende 2021 46% ihres Portfolios in SI-Produkten anzulegen. Von den Ultra-HNWI sind 40% bereit, Geld in Nachhaltigkeit zu investieren.

Hauptgründe für Interesse an SI sind höhere Erträge und geringere Risiken

80% der Vermögensverwalter bieten bereits SI-Produkte an. Fonds, die sich auf sozial verantwortliche Investitionen konzentrieren, waren ein seltener Lichtblick im bisherigen Marktgeschehen des Jahres 2020, sagt Capgemini. Obwohl HNWI-Investitionen in SI soziale/ökologische Ziele verfolgen, sind sie durchaus auch renditeorientiert. Die Hauptgründe für das Interesse von HNWI an nachhaltigen Investitionen sind höhere Erträge und geringere Risiken. Demnach erwarten 39% höhere Erträge aus SI-Produkten, während 33% SI als solide und weniger spekulativ ansehen. Interessanterweise geben bereits 26% der HNWI den Wunsch an, etwas direkt an die Gesellschaft zurückzugeben.

Vermögensverwaltungsgebühren werden vermehrt hinterfragt

Die erhöhte Unsicherheit bezüglich weiterer Entwicklungen im Jahr 2020 wird zu Anpassungen bei der Vermögensallokation sowie zu höheren Kundenerwartungen und einer genaueren Hinterfragung der Vermögensverwaltungsgebühren führen. Aktien wurden Anfang 2020 global betrachtet zur wichtigsten Anlageklasse und machten 30% der weltweiten Anlageportfolios der HNWI aus, was weitgehend auf die bis dahin robusten Aktienmärkte und die finanziellen Anreize zur Wiederherstellung des Vertrauens zurückzuführen ist.

Jeder fünfte HNWI könnte 2021 den Vermögensverwalter wechseln

In Bezug auf die Honorare von Vermögensverwaltern werden die HNWI aber immer kritischer: 33% sind mit den Gebühren im Jahr 2019 unzufrieden gewesen. Es wird erwartet, dass die Unzufriedenheit aufgrund der volatilen Märkte zunehmen wird. Dem Bericht zufolge könnte mehr als jeder fünfte HNWI im nächsten Jahr den Vermögensverwalter wechseln, wobei hohe Gebühren der Hauptgrund für 42% der HNWI sind. HNWI geben auch an, dass sie performance- und dienstleistungsabhängige Gebühren gegenüber vermögensabhängigen Gebühren bevorzugen würden, was auf höhere Erwartungshaltungen in Bezug auf den Wertbeitrag der erhobenen Gebühren hindeutet.

Vermögensverwaltungsunternehmen müssen sich rüsten

Digitale Fähigkeiten sind für den Geschäftserfolg von Vermögensverwaltungsunternehmen von zentraler Bedeutung geworden. Hyperpersonalisierte Angebote, die auf KI-, Analyse- und anderen Technologien basieren, könnten die sich entwickelnden Erwartungen der HNWI laut Capgemini unter anderem in folgenden Bereichen erfüllen:

  • Massgeschneiderte Risikoprofile – Nutzung von Verhaltenswissenschaften und Stimmungsanalysen zur Interpretation der Risikoprofile einzelner Kunden
  • Personalisierte Portfoliokonstruktion und individuelle Beratung – Datenanalyse und maschinelles Lernen zur Erstellung maßgeschneiderter Portfolios, Bewertung des Kundenverhaltens für eine personalisierte Beratung
  • Angepasste Kundenberichte – Verwendung von Schnittstellen (APIs) und mehreren Datenquellen zur Erstellung einer umfassenden Übersicht der Kundeninvestitionen.

Im Vorfeld von COVID-19 (Januar-Februar 2020) waren die Investoren ihren Angaben zufolge im Rahmen des Kundenerlebnisses am unzufriedensten über das Angebot an personalisierten Informationen oder Dienstleistungen ihres Vermögensverwalters. Weiterhin berichten mehr als 60% der HNWI von unbefriedigenden Erfahrungen bei ihren Versuchen, Informationen über neue Vermögensverwaltungsangebote oder Marktinformationen zu erhalten. HNWI im Alter von 50 bis 59 Jahren waren am unzufriedensten mit ihren Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Zugang zu Informationen und Mehrwertdiensten.

BigTech könnte zum Einfallstor für andere Anbieter werden

Wenn das Kundenerlebnis beim Zugang zu Informationen und Mehrwertdiensten nicht optimal ist, dann wird die Gelegenheit verpasst, Kunden zu begeistern, warnt Capgemini. Denn mehr als 40% der von Capgemini befragten HNWI gaben an, dass gute Erfahrungen an diesen Zugangspunkten ihren Gesamteindruck von einem Vermögensverwalter tiefgreifend beeinflussten. Dieser Punkt dürfte durch COVID-19 noch zunehmen, so die Vermutung im Report.

Während für lediglich 26% der Vermögensverwalter die BigTech-Konkurrenz nicht zu den wichtigsten potenziellen Störfaktoren gehört, glauben HNWI, dass BigTechs die etablierten Vermögensverwaltungen in Bezug auf Informationszugang und Mehrwertdienste übertreffen könnten. 74% der HNWI geben an, dass sie grundsätzlich bereit seien, Vermögensverwaltungsangebote von BigTechs in Betracht zu ziehen – dieser Prozentsatz steigt auf 94% unter den 22% aller HNWI, die sagen, dass sie einen Wechsel ihres primären Vermögensverwalters in den nächsten 12 Monaten in Betracht ziehen würden.

Akzeptanz von BigTech-Vermögensverwaltungsangeboten nimmt teils deutlich zu

HNWI in Lateinamerika und in der Region Asien-Pazifik (ohne Japan) gaben an, am ehesten Vermögensverwaltungsangebote von BigTechs zu nutzen. Auch in Japan und Nordamerika nimmt die Bereitschaft zur Akzeptanz von BigTech-Vermögensverwaltungsangeboten unter den HNWI deutlich zu. Wenig überraschend ist, dass vor allem HNWI unter 40 Jahren am ehesten dazu geneigt sind; deren Bereitschaft liegt bei fast 90%.

BigTechs breiten sich immer mehr im Finanzdienstleistungssektor aus, daher haben Vermögensverwaltungsfirmen kaum eine andere Wahl, als ihre digitale Kundenbindung zu verstärken – dies sollte möglichst schnell geschehen, so Capgemini. Bei einem Vergleich der Kontaktpunkte, bei denen HNWI am unzufriedensten waren und die am ehesten für BigTech-Übergriffe geeignet sind, zeigen sich drei Bereiche, die die Vermögensverwaltungsfirmen laut Capgemini hauptsächlich angehen sollten: Kundengewinnung, Beratung und Mehrwertdienste.

Empfohlen werden Technologieinvestitionen und WealthTech-Partnerschaften

Capgemini empfiehlt Vermögensverwaltern eine Dualstrategie. Bei Kundengewinnungs-, Beratungs- und Mehrwertdiensten sollten die Firmen in Technologie investieren. Dadurch könnten sie intern notwendige Fähigkeiten aufbauen und durch eine Zusammenarbeit mit dem Ökosystem sowie durch WealthTech-Partnerschaften zusätzliche Fähigkeiten zur Verbesserung ihres Gesamtangebotes nutzen.

Während der Fokus vieler Vermögensverwalter aktuell primär auf den Bestandserhalt des gegenwärtigen Geschäfts ausgerichtet sein mag, könnte der Aufbau von technologischen Fähigkeiten – sowohl jetzt als auch in einer entspannteren Wirtschaftslage – den Weg zu künftigen Chancen und neuen Ertragsquellen ebnen. Erfolgreich werden laut Capgemini diejenigen sein, die mit ihrem Ökosystem harmonieren und dadurch die Nachfrage vermögender Kunden nach leicht zugänglichen, personalisierten Informationen und massgeschneiderten Anlagestrategien schnell befriedigen können.

Über die Studie

Der World Wealth Report 2020 deckt 71 Länder ab, auf die mehr als 98% des globalen Bruttonationaleinkommens und 99% der Weltbörsenkapitalisierung entfallen. Im Rahmen des Capgemini «2020 Global HNW Insights Survey» wurden mehr als 2’500 HNWI in 21 wichtigen Vermögensmärkten in Nordamerika, Lateinamerika, Europa und der Region Asien-Pazifik befragt. Die Umfrage wurde im Januar und Februar 2020 durchgeführt. Die Umfrageergebnisse berücksichtigen daher nicht die Auswirkungen der COVID-19-Krise.

Über Capgemini

Capgemini ist einer der weltweit führenden Anbieter von Management- und IT-Beratung, Digitaler Transformation sowie Technologie- und Ingenieursdienstleistungen.

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