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Sparkonti rentieren schlecht, bieten aber eine gewisse Sicherheit

Sparkonti rentieren schlecht, bieten aber eine gewisse Sicherheit

Die Sparzinsen sind heute so tief wie noch nie – allerdings nur ohne Berücksichtigung der Inflation. Berücksichtigt man die Inflation ebenfalls, ging es den Sparern in der Vergangenheit in vielen Jahren schon schlechter als heute.

Die historisch tiefen nominalen Zinsen sind für Sparer im derzeitigen Tief- und Negativzinsumfeld ein wiederkehrendes Thema. Dabei werden die realen Sparzinsen viel seltener thematisiert. Der Online-Vergleichsdienst moneyland.ch hat deshalb nun die realen inflationsbereinigten Zinsen berechnet und vergleicht die Entwicklung der realen Sparzinsen seit 1933 mit den nominalen Zinsen in der Schweiz. Diese realen Zinsdaten berücksichtigen den Umstand, dass das Preisniveau in der Schweiz in vielen Jahren deutlich gestiegen ist. Reale Daten geben ein besseres Bild davon ab, wie viel das Geld beziehungsweise die Zinsen tatsächlich wert sind.

Sparer haben während vieler Jahre Geld auf dem Sparkonto verloren

Resultat: Berücksichtigt man die Inflation, gab es in den vergangenen 87 Jahren auf Schweizer Sparkonten kaum etwas zu holen. «Die Teuerung hat die Sparzinsen laufend wieder aufgefressen», sagt Benjamin Manz, Geschäftsführer von moneyland.ch. Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass nominale negative Zinsen auf Schweizer Sparkonten zwar ein neues Phänomen sind. Unter Berücksichtigung der Teuerung hingegen gab es auch in der Vergangenheit schon oft negative reale Verzinsungen, wie Silvan Wehrli, Analyst bei moneyland.ch, erklärt. Denn in 36 der vergangenen 87 Jahren gab es bereits reale Negativzinsen auf Schweizer Sparkonten. Sparer haben während dieser Jahre also faktisch Geld auf dem Sparkonto verloren, weil die Kaufkraft gleichzeitig abgenommen hat.

Nominale Zinssätze sind seit 1992 im Sinken begriffen

Spricht man von Sparzinsen, sind gemeinhin nominale Sparzinsen gemeint, ohne Berücksichtigung der Inflation. Das sind auch die Zinssätze, welche die Banken selbst kommunizieren. Betrachtet man die Periode von 1933 bis 2019, liegen die nominalen Sparzinsen im Durchschnitt bei 2.45% pro Jahr.

Die nominalen Zinsen auf Spareinlagen bewegten sich im Zeitraum von 1934 bis 1992 (gemäss Zahlen der Schweizer Nationalbank SNB) zwischen minimalen 2.10% pro Jahr (1979) und maximalen 5.10% (1992). Im Durchschnitt lagen die nominalen Sparzinssätze in diesem Zeitraum bei 3.1% pro Jahr.

Seit 1992 aber sind die nominalen Zinssätze (mit kleinen Gegenbewegungen) im Sinken begriffen. Ein historisches Tief der Sparzinssätze wurde 2019 mit 0.04% erreicht (im Jahr 2020 wird wohl ein neues Tief erreicht werden).

Betrachtet man also nur die nominalen Zinsen, ist es Sparern in der Schweiz noch nie so schlecht gegangen wie heute, bestätigt Silvan Wehrli.

Unter Berücksichtigung realer Sparzinsen hat das Geld massiv an Wert verloren

Anders sieht es aus, wenn man die Inflation bzw. die Teuerung mitberücksichtigt. Für eine gesamtheitliche Betrachtung ist die Inflation (beziehungsweise Deflation als negative Inflation) ein entscheidender Faktor. Schliesslich ist das Geld nur so viel wert wie seine Kaufkraft. Tatsächlich hat das Geld über die Jahre massiv an Wert verloren, erklärt Wehrli.

Zwischen 1933 und 2019 gab es für Sparer in 51 Jahren positive und in 36 Jahren negative Realzinsen. Über den ganzen Zeitraum von 87 Jahren hinweg gesehen betrug der reale Zinssatz im Durchschnitt lediglich 0.07% pro Jahr.

Auch interessant ist, dass es seit 1933 zahlreiche Jahre gab, in denen die realen Sparzinsen noch tiefer waren als heutzutage. Am tiefsten waren die Realzinsen aufgrund der hohen Inflation mit rund -11% im Jahr 1941. Und am höchsten waren die realen Sparzinsen aufgrund der hohen Deflation im Jahr 1933 mit 5.4%.

Im Zeitraum zwischen 2000 und 2019 gab es einen durchschnittlichen Realzins von 0.05% pro Jahr. Nur in 11 Jahren war der Realzins positiv, in weiteren 9 Jahren negativ. Das Minimum der letzten 20 Jahre war 2007 mit -1.35% festzustellen, das Maximum mit 1.4% im Jahr 2015.

Was wäre aus 1000 Franken auf dem Sparkonto geworden?

Hätte jemand 1933 gut 1000 Franken auf ein Schweizer Bankkonto eingezahlt, wäre bis 2019 daraus ein Betrag von 8214 Franken erwachsen. Das entspricht einem durchschnittlichen nominalen Zinssatz von 2.45% pro Jahr. Das klingt nicht schlecht. Das Problem dabei ist jedoch, dass die Teuerung ähnlich hoch war wie die nominalen Sparzinsen.

Unter Berücksichtigung der Inflation hätte diese Person in diesem Zeitraum nur von einem durchschnittlichen realen Zinssatz von 0.07% pro Jahr profitiert. Sie hätten also real gesehen fast keinen Zinsgewinn gehabt.

Kaum besser sähe es aus, wenn diese Person die 1000 Franken im Jahr 1980 einbezahlt hätte. Aus 1000 Franken wären dann bis 2019 rund 2107 Franken geworden. Das entspricht einem durchschnittlichen Zinssatz pro Jahr von 1.88%. Unter Berücksichtigung der Inflation bliebe bei einem realen durchschnittlichen Zinssatz von 0.3% allerdings nur ein geringer realer Zinsgewinn übrig.

Aktien rentieren langfristig wesentlich besser als Sparkonti

Der Vergleich der vergangenen Renditen von Schweizer Aktien mit den Sparkonto-Zinsen zeigt, dass Aktien langfristig markant besser rentieren als Sparzinsen. Nominal – also ohne Berücksichtigung der Teuerung – zeigt sich folgendes Bild: Der durchschnittliche Sparzins beträgt seit 1933 rund 2.45% pro Jahr im Fall von Sparzinsen, aber 8.29% pro Jahr im Fall von Schweizer Aktien (gemäss Pictet-Index). Insgesamt haben Sparzinsen eine Gesamtperformance von 721% zu verzeichnen, während es bei den Aktien 101‘856% sind.

Anders ausgedrückt: Hätte ein Sparer Anfang 1933 gut 1000 Franken auf ein Sparkonto eingezahlt, wären Ende 2019 rund 8214 Franken auf dem Konto. Mit Aktien hätte er Ende 2019 aber mehr als 1 Million Franken auf dem Depotkonto und damit die Investition seit 1933 mehr als vertausendfacht.

Die Unterschiede zeigen sich auch unter Berücksichtigung der Inflation: Inflationsbereinigt hätte ein Sparer seit 1933 lediglich einen Zinsgewinn von rund 63 Franken zu verzeichnen. Investoren in Schweizer Aktien hingegen könnten sich über einen inflationsbereinigten Kursgewinn von mehr als 130‘000 Franken freuen.

Marktbeobachter rechnen auch künftig mit tiefen Sparzinsen

Die zukünftige Entwicklung des Zinsumfelds steht in den Sternen. Trotzdem geht die Mehrheit der Marktbeobachter von einem weiterhin tiefen Zinsumfeld aus. Ausserdem rechnen viele Ökonomen – nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise – mittelfristig mit einer höheren Inflation. Das sind für Sparer düstere Aussichten. Mittelfristig könnten Sparzinsen nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen können, befürchtet Manz.

Trotzdem solle man Sparkonten, Festgelder oder Kassenobligationen noch nicht abschreiben, findet Manz. Im Fall von Aktien könne es nämlich sein, dass sich Anleger jahrelang in der Verlustzone bewegen würden. Für konservative Sparer, die keine Schwankungen bei ihrer Einlage hinnehmen und kurz- bis mittelfristig keine Verluste einfahren wollten, sei ein Schweizer Spar- oder Festgeld-Konto weiterhin die richtige Wahl.

Die historische Entwicklung von Schweizer Sparzinsen und Aktien, mit und ohne Berücksichtigung der Inflation, lässt sich mit dem Rechner von moneyland.ch nachverfolgen.

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