HomeINVESTANBIETERSchweizer Vermögensverwalter geben sich wieder zuversichtlicher

Schweizer Vermögensverwalter geben sich wieder zuversichtlicher

Schweizer Vermögensverwalter geben sich wieder zuversichtlicher

Die Anlageexperten der in der Schweiz ansässigen Asset Management Firmen schätzen die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft wieder deutlich positiver ein als vor 6 Monaten. Die durch die Corona-Krise ausgelösten Verwerfungen an den Finanzmärkten haben den Trend hin zu nachhaltigen Anlagen weiter beschleunigt.

Eine Mehrheit der in der Schweiz ansässigen Vermögensverwalter ist überzeugt, dass die Schweiz aufgrund ihrer soliden Ausgangsposition und der attraktiven Branchenstruktur gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen oder zumindest keinen langfristigen Schaden davontragen wird, wie im Swiss Asset Managers‘ Survey, H2/2020 nachzulesen ist.

Anlagespezialisten sehen die Schweiz als Gewinnerin der Krise

Der weltwirtschaftliche Abschwung, welcher durch das Corona-Virus und den damit zusammenhängenden Massnahmen verursacht wurde, stellt nach wie vor das grösste Risiko für die Schweizer Wirtschaft dar. Die Konjunkturaussichten haben sich laut den Vermögensverwaltern aber deutlich aufgehellt. Beinahe 80% der befragten Anlagespezialisten erachten die wirtschaftliche Erholung vom Corona-Einbruch als stärker oder etwa so stark wie erwartet. Ausserdem sehen viele Umfrageteilnehmer die Schweiz als langfristige Gewinnerin der Krise. Der attraktive Branchenmix, die tiefe Verschuldung und die generell hohe Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz sprechen ihrer Ansicht nach dafür, dass die Schweiz gestärkt aus der Krise hervorgehen könnte.

Viele Experten schätzen den Einfluss der Biden-Präsidentschaft als negativ ein

Der Sieg von Joe Biden bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen wurde mehrheitlich richtig vorausgesagt: nur knapp jeder Vierte tippte auf Donald Trump. Etwas mehr als die Hälfte der Asset Management Experten schätzt jedoch den Einfluss der Biden-Präsidentschaft auf die Finanzmärkte als negativ ein.

Nachhaltige Anlagen erfuhren starke Geldzuflüsse

Die durch die Corona-Krise ausgelösten Verwerfungen an den Finanzmärkten waren für eine Mehrheit der befragten Anlagespezialisten ein Katalysator für nachhaltige Anlagen. Nachhaltig geführte Firmen erwiesen sich demnach grösstenteils als stabiler, sodass die Investoren deutlich besser durch die Krise kamen als mit herkömmlichen, nicht-nachhaltigen Investments. Diese Einschätzung wird durch die starken Geldzuflüsse in nachhaltigen Anlagen, bei gleichzeitigen Abflüssen in nicht-nachhaltigen Anlagen, bestätigt. Bereits 62% aller befragten Asset Manager legen mehr als ein Viertel ihrer verwalteten Vermögen nachhaltig an. Dies ist eine weitere Steigerung um rund 10 Prozentpunkte im Vergleich zur Vorstudie. Dagegen hat der Anteil jener Asset Manager, welche weniger als 10% nachhaltig anlegen, nochmals deutlich abgenommen.

Experten rechnen mit keiner erneuten Korrektur grösseren Ausmasses

Nachdem die Einschätzung bezüglich des Schweizer Aktienmarktes in der Vorstudie im Frühling noch eher zurückhaltend war, sind sich die Anlageprofis nun wieder beinahe einig: Vier von fünf rechnen in den nächsten 12 Monaten mit einer positiven Rendite. Kaum jemand prognostiziert eine erneute Korrektur grösseren Ausmasses.

Obwohl sich die Aktienmärkte nach dem Einbruch bereits deutlich erholt haben, liegen Aktien wie auch alternative Anlagen nach wie vor hoch in der Gunst der Anleger. Dagegen planen nur wenige eine Erhöhung der Obligationen- und Bargeld-Quote.

Euro dürfte zulegen, US-Dollar an Wert verlieren

Erstmals deutlich verbessert hat sich der Ausblick für die Europäische Gemeinschaftswährung: 42% der Umfrageteilnehmer erwarten einen stärkeren Euro gegenüber dem Schweizer Franken innert Jahresfrist – die Einschätzung ist damit so positiv wie noch nie. Abgestürzt in der Gunst der Anlageexperten ist dagegen der US-Dollar. Das rekordhohe Budgetdefizit sowie die stark gesunkenen langfristigen Zinsen in den USA machen die amerikanische Währung unattraktiv.

Mehrheit unterstützt die Geldpolitik der SNB

Nach wie vor deutliche Unterstützung durch die befragten Asset Management Spezialisten erhält die Schweizerische Nationalbank (SNB). Mit 84% ist die Zustimmungsrate hinsichtlich der aktuellen Geldpolitik allerdings nicht mehr so hoch wie im Frühling. Während sich damals – mitten im starken Einbruch an den Finanzmärkten – kein einziger Teilnehmer eine restriktivere Gangart der SNB wünschte, so sieht nun eine Minderheit die Zeit dafür gekommen. Dies widerspiegelt sich auch an den Zinserwartungen. Während in der Vorstudie noch kaum jemand der Meinung war, dass die Negativzinsen der SNB innerhalb der nächsten 3 Jahre aufgehoben werden, so ist nun bereits fast jeder Dritte dieser Meinung.

Minderheit erwartet erfolgreiche Steuerung der Inflation

Interessant sind die Erwartungen bezüglich der globalen Inflation, nachdem die Staaten und Zentralbanken ultra expansiv auf die Corona-Krise reagiert haben: Ein Drittel denkt, dass das Umfeld von niedriger Inflation oder sogar Deflation weiterhin vorherrschen wird. Ein weiteres Drittel ist der Auffassung, dass die «offizielle» Inflation, gemessen an einem Güter- und Dienstleistungskorb, zwar weiterhin niedrig sein wird, dass sich aber der überdurchschnittliche Anstieg der Vermögenspreise fortsetzen wird. Und drei von zehn Umfrageteilnehmern sind der Auffassung, dass es den Zentralbanken gelingen wird, die Inflation in den gewünschten Zielbereich zu steuern.

Ausblick für die Asset Management Industrie hat sich deutlich aufgehellt

War vor einem halben Jahr noch das Lager der Pessimisten auf einem Höchststand, so ist nun der Anteil der Optimisten auf Rekordlevel: Jeder Dritte rechnet mit steigenden Umsätzen und/oder Margen, und weitere 51% erachten den Ausblick als stabil. Dieser Stimmungsumschwung dürfte wohl mit der starken Erholung an den Finanzmärkten sowie mit dem erhöhten Bedarf an Spar- und Anlagelösungen aufgrund der Krise zusammenhängen.

Ebenso aufgehellt haben sich die Erwartungen hinsichtlich der Beschäftigung in der Asset Management Branche. Kaum jemand rechnet mit einem Personalabbau, dagegen rechnet jeder Dritte in seiner Firma mit einer höheren Mitarbeiterzahl auf 12-Monatsfrist. Diese positiven Aussichten könnten auch damit zusammenhängen, dass aktiv verwaltete Anlagen in den Augen der Umfrageteilnehmer während der Krise besser abgeschnitten haben als passive Produkte. Aktiv verwaltete Anlagen sind nicht nur personalintensiver, sondern für die Anbieter auch profitabler.

Über die Studie

Die vorliegende, umfassende vierte Ausgabe des Swiss Asset Managers’ Survey wurde vom 2. bis 27. Oktober 2020 durchgeführt. Insgesamt nahmen Anlageexpertinnen und -experten von 38 Asset Management Unternehmen daran teil. Dabei handelt es sich sowohl um börsennotierte als auch um privat gehaltene Unternehmen. Die teilnehmenden Unternehmen verwalten in der Schweiz Vermögenswerte von über 2’000 Milliarden Franken.

Was lernen wir daraus?
  1. Die Asset Management Association Switzerland ist ein aktives Mitglied der European Fund and Asset Management Association (EFAMA) und der weltweit tätigen The International Investment Funds Association (IIFA). 1992 in Basel gegründet, zählt die Asset Management Association Switzerland heute nahezu 200 Mitglieder.
  2. Die Banken in der Schweiz verwalteten per Ende 2019 Vermögen in der Höhe von 7’893,4 Mia. Franken. Gleichzeitig betrugen die von externen Vermögensverwaltern unterhaltenen Vermögen in der Schweiz und Liechtenstein 2019 zwischen 475 und 600 Mia. Franken. Macht zusammen also mindestens 8’368,4 Mia. Franken. Die durch die Studie erfassten Unternehmen verwalten in der Schweiz Vermögenswerte von über 2’000 Milliarden Franken. Sie repräsentieren also nur rund einen Viertel der Vermögensverwalter. Ausserdem zeigen die Zahlen auf, dass die meisten Vermögen von Banken verwaltet werden.
  3. Die Zukunft der Vermögensverwaltung in der Schweiz ist ungewiss. Denn die Schweizer Vermögensverwaltungsbranche steht angesichts einer abflachenden oder sogar rückläufigen Rentabilitätskurve vor schwierigen Zeiten. Das belegt eine weitere Studie vom Beratungsunternehmen Deloitte. Während die zugrunde liegenden Ursachen unverändert bleiben, wird die Zukunft der Vermögensverwaltungsbranche von neuen Katalysatoren des Wandels mitbestimmt. Die Branche konsolidiert weiterhin, und viele Banken ziehen sich aus diesem Geschäftsbereich zurück.
  4. Die Asset Management Association Switzerland möchte also gerne positive Nachrichten vermelden und Optimismus verbreiten. Sie berichtet deshalb, dass der Anteil der Optimisten in der Branche «auf Rekordlevel» gestiegen sei, und belegt dies mit weiteren positiven Umfragewerten.
Share With:
Rate This Article

info@s-mediacomm.ch

No Comments

Leave A Comment