HomeFINANZENSchweizer Banken weisen sich trotz Corona-Krise als robust

Schweizer Banken weisen sich trotz Corona-Krise als robust

Schweizer Banken weisen sich trotz Corona-Krise als robust

Die Kreditausfallrate bei den Banken dürfte steigen, die Zinsen niedrig bleiben. Der Trend zu Negativzinsen für Privatkunden setzt sich derweil fort. Die Geschäftsaussichten der Banken aber trüben sich nur kurzfristig ein, sagen Experten.

Die Weltwirtschaft befindet sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie zu Beginn des Jahres 2020 im Ausnahmezustand. Ein Kollaps konnte nur durch ein beherztes Eingreifen der Regierungen und Zentralbanken verhindert werden. Im Kreditgeschäft führte die Krise zu einem Anstieg der Kreditrisiken in einzelnen Branchen. Wesentliche Kreditausfälle konnten dank der umfassenden staatlichen Rettungsmassnahmen bislang jedoch vermieden werden. Die durch die Krise sprunghaft angestiegene Volatilität führte gleichzeitig zu mehr Handelsaktivitäten von Kunden und Investoren, wovon die Banken im Handels- und Kommissionsgeschäft profitieren konnten.

Banken zeigen sich dank «Fitnesskur» robust

Die Schweizer Banken sind aus einer Position der Stärke in die Corona-Krise geraten. «Die jahrelange Fitnesskur seit der Finanzkrise 2008 hat sich ausbezahlt und die Banken haben in dieser Krise eine hohe Resilienz gezeigt», erklärt Patrick Schwaller, Managing Partner, Audit Financial Services bei EY Schweiz. Die Banken haben seither Risiken abgebaut, ihre Eigenmittel- und Liquiditätspolster weiter ausgebaut. So erstaunt es nicht, dass die Banken den durch die Corona-Pandemie ausgelösten Härtetest bisher gut gemeistert haben. Ungeachtet der aktuellen Herausforderungen durch die Corona-Krise bewertet noch immer mehr als die Hälfte der befragten Banken (53%) ihre Geschäftsentwicklung in den vergangenen Monaten als positiv.

Wertberichtigungen im Kreditgeschäft dürften kurzfristig ansteigen

«Trotz dieser guten Ausgangslage sind sich die Banken einig, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie nicht spurlos an ihnen vorbeigehen werden», hält Olaf Toepfer, Leiter Banking & Capital Markets bei EY Schweiz, fest. Eine Mehrheit von 75% der befragten Banken befürchtet, dass es kurzfristig zu einem sprunghaften Anstieg der Wertberichtigungen vor allem im Kreditgeschäft mit KMU kommen wird (Vorjahr: 12%). Auch im Geschäft mit Wohnbaufinanzierungen ist die Skepsis etwas gestiegen. So rechnen 36% der Banken mit steigenden Kreditausfällen in den kommenden sechs bis zwölf Monaten (Vorjahr: 7%). Angesichts dieser Erwartungen überrascht es nicht, dass nur noch 59% der befragten Banken, also 8% weniger als vor einem Jahr, kurzfristig mit einer positiven Geschäftsentwicklung rechnen (Vorjahr: 67%).

«Auf lange Sicht kommt bei den Banken allerdings keine Panik in Bezug auf die drohenden Kreditausfälle auf», bemerkt Timo D’Ambrosio, Director Audit Financial Services bei EY Schweiz. Im Wohnbaufinanzierungsgeschäft gehen langfristig 52% und im KMU-Kreditgeschäft 44% der Banken von unveränderten Wertberichtigungen aus. Sie rechnen offensichtlich nur mit einer kurzfristigen Phase von erhöhten Kreditausfällen. Dies ist vor allem begründet durch die gesunde Struktur der Kreditbücher der Banken, welche vornehmlich aus Hypothekarkrediten bestehen. Darüber hinaus sind die Banken von der Widerstandsfähigkeit der Schweizer KMU überzeugt. «83% der Banken rechnen damit, dass sich die KMU innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre von der Krise erholen», hält Schwaller fest.

Die Zinsen bleiben niedrig und der Margendruck setzt sich fort

Eine Normalisierung der Geldpolitik ist mit der zusätzlichen Ausweitung der Geldmengen durch die Zentralbanken als Folge der Corona-Krise in weite Ferne gerückt. Mit 82% glaubt die grosse Mehrheit der Banken, dass die Zinsen in der Schweiz auch noch in zehn Jahren sehr tief sein werden. «Die Aussicht, dass die Niedrigzinsen möglicherweise noch mehrere Jahre Bestand haben werden, verschärft die strukturellen Ertragsprobleme der Banken und die bereits seit einigen Jahren anhaltende Margenerosion im wichtigen Zinsgeschäft», gibt Schwaller zu bedenken.

Banken geben Negativzinsen auch an Privatkunden weiter

Auch wenn die durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) vorgenommenen Erhöhungen des Freibetrags für Negativzinsen die Belastung der Banken etwas lindern, kommt es nicht unerwartet, dass mittlerweile nur noch 11% der befragten Banken die Weitergabe von Negativzinsen für Privatkunden kategorisch ausschliessen. Im letzten Jahr waren es noch 21% und vor fünf Jahren lag der Wert sogar bei 70%. Die Belastung von Kundenguthaben mit Negativzinsen ist demnach längst kein Tabubruch mehr – insbesondere bei Kunden, die neben der reinen Kontoführung keine weiteren für die Bank ertragsgenerierenden Dienstleistungen nutzen. Der Trend zur verstärkten Weitergabe von Negativzinsen macht vor keiner Bankengruppe mehr Halt, denn auch bei den Retailbanken lehnen dies lediglich noch 14% (Regionalbanken) bzw. 6% (Kantonalbanken) kategorisch ab.

Banken gehen von keinen weiteren Erleichterungen bei der Regulierung aus

Der Bund hat nach Ausbruch der Corona-Pandemie rasch reagiert und gemeinsam mit den Banken ein umfassendes KMU-Kreditprogramm ins Leben gerufen, mit dem Ziel, den Zugang der Unternehmen zu Krediten für die Überbrückung von krisenbedingten Liquiditätsengpässen sicherzustellen. Auch die SNB und die eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) haben dieses Kreditprogramm unterstützt. Um den Banken bei ihrer Kreditvergabe etwas mehr Spielraum zu gewähren, haben sie eine Reihe von Massnahmen bzw. regulatorischen Lockerungen beschlossen, insbesondere die Aufhebung des antizyklischen Puffers sowie die Erhöhung des Negativzins-Freibetrags bei der SNB.

«Von weiteren Lockerungen bei der Regulierung geht aber kaum eine Bank aus», hält Schwaller fest. Während die Hälfte der befragten Banken (56%) mit keinen weiteren pandemiebedingten Auswirkungen auf die Regulierung rechnet, erwarten 38%, dass die Zügel in Zukunft sogar wieder angezogen werden.

Corona-Krise ermöglicht neuen Blick auf Kosten und Innovationen

Die Corona-Pandemie hat unter anderem zu einer unerwarteten Beschleunigung der Digitalisierung von Geschäftsmodellen und -prozessen geführt. Die Banken mussten in sehr kurzer Zeit auf Arbeit im Homeoffice umstellen und haben diese Herausforderung dank der in den letzten Jahren getätigten IT-Investitionen durchaus erfolgreich und ohne nennenswerte Probleme gemeistert. Darüber hinaus haben auch Bankkunden ihre Bankgeschäfte vermehrt über digitale Kanäle erledigt, was letztlich dazu geführt hat, dass Online- und Mobilebanking heute eine deutlich breitere Akzeptanz geniessen als noch vor der Krise.

«Diese Erfahrungen ermöglichen neue Perspektiven auf Kosten und Innovation, was vor dem Hintergrund der anstehenden Herausforderungen hilfreich sein kann», bemerkt Schwaller. Drohende Kreditausfälle, fortschreitende Margenerosion im Kredit- und Anlagegeschäft, anhaltende Konkurrenz durch Challenger-Banken und FinTechs, ein weitgehend gesättigter Inlandmarkt – angesichts dieser Entwicklungen ist es wenig erstaunlich, dass mit 46% beinahe die Hälfte der Banken ihren Fokus in den kommenden sechs bis zwölf Monaten vornehmlich auf Kostenreduktionen legen wollen. Daher ist es naheliegend, dass Arbeitsplätze aus den teuren Zentren vermehrt in die günstigere Peripherie oder in die Haushalte der Mitarbeitenden verschoben und zugleich die bestehenden Büroliegenschaften sowie Filialnetze überprüft werden.

«Doch sparen allein wird nicht genügen, um die Wertschöpfungskraft der Banken auch in Zukunft aufrechtzuerhalten», warnt Toepfer. Dessen sind sich die Banken durchaus bewusst und nennen das Thema «Innovation und Wachstum» mit 44% als zweitbedeutendstes Fokusthema. Um den Ausbau der digitalen Kanäle voranzutreiben und den veränderten Kundenbedürfnissen angemessen Rechnung zu tragen, sind – gleichzeitig zu den Kostensenkungsmassnahmen – weitere Investitionen in Innovationen erforderlich.

Nachhaltigkeit gewinnt auch im Kreditgeschäft an Bedeutung

Das Thema Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren vermehrt in den Blickpunkt der Investoren und Kunden gerückt und die «grüne Welle» ist auch im Jahr 2020 ungebrochen weitergerollt. «Das Thema Nachhaltigkeit hat auch das Kreditgeschäft der Banken erfasst», merkt Toepfer an. Während im Vorjahr noch 56% der Banken angaben, bei der Kreditvergabe an kommerzielle Kunden keine Nachhaltigkeits-/ESG-Faktoren (Environmental, Social and Governance) zu berücksichtigen, hat in der aktuellsten EY-Umfrage ein bedeutender Meinungsumschwung stattgefunden. Nur noch 27% der Banken wollen auch weiterhin auf ESG-Kriterien bei der Kreditvergabe verzichten. Dieser signifikante Rückgang innerhalb von nur einem Jahr unterstreicht die Dringlichkeit einer angemessenen ESG-Integration in das Kreditgeschäft der Banken.

Über das Schweizer Bankbarometer 2021

Der EY Bankbarometer basiert auf der Befragung von 100 Führungskräften (Mitglieder der Geschäftsleitung) von verschiedenen Banken in der ganzen Schweiz. Auch die Schweizer Einheiten der zwei Grossbanken wurden befragt. Ihre Einschätzungen sind in die generellen Auswertungen eingeflossen, wurden aber in den Auswertungen nach Bankentyp nicht berücksichtigt. Bei 31% der befragten Institute handelt es sich um Privatbanken, bei 30% um Auslandbanken, bei 21% um Regionalbanken und bei 18% um Kantonalbanken. 67% der Institute stammen aus der Deutschschweiz, 24% aus der Westschweiz und 9% aus dem Tessin. Die Befragung wurde im November 2020 durchgeführt. Die Erhebung und Auswertung der Daten erfolgte durch EY in der Schweiz.

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