HomeFINANZENNeue OECD-Daten belegen das Ausmass internationaler Konzernsteuertricks

Neue OECD-Daten belegen das Ausmass internationaler Konzernsteuertricks

Neue OECD-Daten belegen das Ausmass internationaler Konzernsteuertricks

Das Ausmass der Steuervermeidung von internationalen Konzernen ist enorm, wie neue Daten der OECD belegen. Dabei sind Unternehmen in Grossbritannien, der Schweiz, Luxemburg und den Niederlanden für knapp drei Viertel der Verluste verantwortlich, die Ländern weltweit dadurch entstehen.

Die OECD hat am 8. Juli erstmals Daten zu Gewinnverschiebungen von Konzernen in Steueroasen veröffentlicht. Basis der Daten sind entsprechende länderweise Berichte von Konzernen an die Finanzverwaltungen. Sie werden allerdings anonymisiert und zusammengefasst ausgewertet, weshalb sie keine Rückschlüsse auf die Steuertricks einzelner Konzerne zulassen. «Dafür wäre eine Veröffentlichung der Konzernberichte durch die Konzerne selbst nötig», wie die globalisierungskritische Nichtregierungsorganisation Attac (Österreich), ebenso wie viele andere Organisationen, fordert.

Obwohl in den OECD-Daten viele Länder wie Grossbritannien fehlten (nur 15 werden ausreichend abgebildet), seien sie doch ein erster Erfolg, wertet Attac Österreich. Allein die zivilgesellschaftliche Forderung nach dieser Berichtspflicht sei vor 15 Jahren noch als utopisch abqualifiziert worden. Zudem bestätigten die Daten bisherige Schätzungen und Berechnungen zum Ausmass des Problems.

Weltweit werden jährlich rund 1,3 Billionen Dollar in Steueroasen verschoben

So habe das ‘Tax Justice Network’ auf Basis der OECD-Daten errechnet, dass weltweit jährlich rund 1,3 Billionen Dollar in «Steuersümpfe» verschoben würden, mit direkten Verlusten von 330 Milliarden Dollar und indirekten Verlusten von rund 500 Milliarden Dollar für die Staaten. Die Daten zeigten zudem, dass Grossbritannien, die Schweiz, Luxemburg und die Niederlande für knapp drei Viertel der weltweiten Steuerverluste durch Konzernsteuertricks verantwortlich seien.

Pro verschobenem Dollar gehen anderen Staaten weltweit sechs Dollar verloren

Weiter gingen für jeden Dollar, den Steueroasen durch Gewinnverschiebungen einnehmen, weltweit anderen Staaten im Schnitt sechs Dollar an Einnahmen verloren, erklärt Attac Österreich weiter. Dabei gebe es grosse länderspezifische Unterschiede: Auf den britischen Jungferninseln etwa betrage dieses Verhältnis nicht 1:6, sondern 1:314. Der «EU-Steuersumpf Luxemburg» wiederum nehme durch Gewinnverschiebungen von Konzernen rund 400 Millionen Dollar zusätzlich ein. Doch dies gehe auf Kosten anderer Staaten, die dabei in Summe rund 8 Milliarden Dollar verlören (ein Verhältnis von 1:20), wie das Tax Justice Network errechnet habe.

Attac Österreich fordert volle Transparenz über Gewinne und Steuerleistungen

«Der nächste Schritt im Kampf für mehr Steuergerechtigkeit muss es nun sein, volle Transparenz über die Gewinne und Steuerleistungen von einzelnen multinationalen Konzernen zu erhalten», fordert David Walch von Attac Österreich. Eine entsprechende EU-Initiative könne schon bei der nächsten Abstimmung erfolgreich sein, da etwa Österreichs Regierung per Parlamentsbeschluss im Dezember 2019 dazu verpflichtet worden sei, die langjährige Blockade zu beenden.

Es braucht eine Gesamtkonzernsteuer mit weltweiten Mindeststeuersätzen

Damit Konzerne letztlich ihre Steuern dort bezahlen würden, wo sie ihre Gewinne erwirtschaften, sei eine Gesamtkonzernsteuer mit weltweiten Mindeststeuersätzen nötig. Die internationalen Steuerregeln sollten zudem nicht vorrangig vom Club der reichen OECD-Staaten, sondern gleichberechtigt von allen Staaten weltweit in der UNO festgelegt werden, fordert Attac.

Über Attac

Attac (ursprünglich association pour une taxation des transactions financières pour l’aide aux citoyens; seit 2009: association pour la taxation des transactions financières et pour l’action citoyenne) ist eine Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der Bürger und eine globalisierungskritische Nichtregierungsorganisation. Weltweit hat Attac etwa 90’000 Mitglieder und agiert in 50 Ländern, hauptsächlich jedoch in Europa.

Über das Tax Justice Network

Das Tax Justice Network (TJN) ist ein unabhängiges internationales Netzwerk, das zu Problemen wie Steuervermeidung, Steuerhinterziehung, Steuerwettbewerb, Finanzintransparenz und Steueroasen arbeitet. Das Netzwerk betreibt Forschung, Beratung und Wissensaustausch mit dem Ziel, das Verständnis für die Probleme zu vergrössern und Reformvorschläge zu entwickeln und zu befördern. Experten des Tax Justice Networks treten zudem bei öffentlichen Anhörungen des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags auf und sind in Expertengremien der EU-Kommission vertreten.

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