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Nachhaltig zu investieren bedeutet, Geld ethisch und verantwortungsvoll zu mehren

Nachhaltig zu investieren bedeutet, Geld ethisch und verantwortungsvoll zu mehren

Nach fast 30 Jahren einer langsamen aber stetigen Marktentwicklung sind nachhaltige Kapitalanlagen 2019 im sogenannten Mainstream angekommen. Das lässt sich an den weltweiten absoluten Marktanteilen wie auch den zahlreichen Aktivitäten seitens Politik und Regulierern messen. Doch was sind nachhaltige Geldanlagen? Diese und viele andere Fragen beantwortet ein aktueller Leitfaden.

Das FNG – Forum Nachhaltige Geldanlagen, der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz – hat eine aktualisierte Fassung ihres Leitfadens «Nachhaltige Kapitalanlagen – Eine Einstiegshilfe» herausgegeben. Wie in der bisherigen Fassung beantwortet das FNG die wichtigsten Fragen rund um das Thema in erster Linie aus der Perspektive kleiner und mittelgrosser institutioneller Investoren. Der Verband ist aber der Überzeugung, dass auch Privatinvestoren, Family Offices, Grossanleger, Unternehmen oder Politiker die eine oder andere hilfreiche Information und Erläuterung aus der Lektüre der Einstiegshilfe mitnehmen können.

Was sind nachhaltige Geldanlagen?

Die Bezeichnungen für nachhaltige Geldanlagen sind vielfältig – grünes Geld, ethisches oder verantwortliches Investment, nachhaltige Kapitalanlage – die Grundidee ist immer dieselbe: Bei der Nachhaltigen Geldanlage wird der klassische Kanon der Anlagekriterien von Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit um eine vierte Dimension ergänzt, die Nachhaltigkeit des Anlageobjekts oder allgemeiner die Nachhaltigkeit der Mittelverwendung. Das klassische Dreieck der Kapitalanlage wird damit zum magischen Viereck erweitert.

Woher kommt die Idee des nachhaltigen Investierens?

Die Anfänge des nachhaltigen Investments lassen sich bis in das 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals begann die religiöse Gemeinschaft der Quäker in den USA darauf zu achten, das eigene Geld nicht in Kapitalanlagen zu investieren, die von der Sklaverei profitierten. Eine sogar noch etwas längere Historie hat der Begriff der Nachhaltigkeit. Bereits im Jahr 1713 hat Hans Carl von Carlowitz für die Forstwirtschaft den Grundsatz geprägt, dass innerhalb einer Periode nicht mehr Holz geschlagen werden darf, als im gleichen Zeitraum nachwächst.

Wie können Anleger nachhaltige Anlagen finden?

Den vielleicht ersten „nachhaltigen“ Investmentfonds hat die Fondsgesellschaft Pioneer im Jahr 1928 in den USA aufgelegt. Hier wurden bereits Unternehmen vom Investment ausgeschlossen, die ihr Geld mit der Produktion von Alkohol oder Tabakwaren verdienten. Bis heute spielt der Ausschluss solcher „Sündenaktien“ (sin stocks) bei einigen Anlegergruppen, etwa kirchlichen Anlegern, eine wichtige Rolle. Aktuell können Anleger im deutschsprachigen Raum aus rund 500 nachhaltigen Publikumsfonds mit ganz unterschiedlichen Ansätzen und Kriterien auswählen oder bei entsprechendem Vermögen im Rahmen von Spezialfonds individuelle nachhaltige Anlagestrategien umsetzen.

Anlageprodukte beim nachhaltigen Investieren

Nach welcher Anlagestrategie können Anleger vorgehen?

Für die Umsetzung einer nachhaltigen Kapitalanlage stehen den Anlegern heute ganz unterschiedliche Anlagestrategien zur Verfügung. Das FNG unterscheidet dabei folgende Ansätze:

  • Ausschlusskriterien
  • Best-in-Class
  • Engagement
  • ESG Integration
  • Impact Investment
  • Nachhaltige Themenfonds
  • Normbasiertes Screening
  • Stimmrechtsausübung

Zwei Beispiele illustrieren die unterschiedlichen Ansätze:

Ausschlusskriterien sind sozusagen die Türsteher eines Portfolios. Sie sorgen vor allem dafür, dass keine Emittenten in ein Portfolio gelangen, die den Zielen und Werten des Anlegers in fundamentaler Weise widersprechen. Auf Unternehmensebene werden so zum einen Unternehmen vom Investment ausgeschlossen, die Produkte oder Leistungen anbieten, die aus Sicht der Anleger problematisch sind. Dazu zählen beispielsweise die Herstellung von Waffen und Rüstung, genmanipuliertem Saatgut oder der Abbau von Kohle.

Zum anderen beziehen sich Ausschlusskriterien auf mögliche kontroverse Geschäftspraktiken von Unternehmen. Basis für die Bewertung sind häufig international anerkannte Normen wie die Deklaration der Menschenrechte, die Arbeitsstandards der Internationalen Arbeitsorganisation ILO oder die zehn Prinzipien des UN Global Compact. Die Ausschlusskriterien betreffen entsprechend insbesondere Verstösse gegen Menschen- und Arbeitsrechte, Umweltschutzstandards oder Korruptionsverbote.

Top Ten Ausschlusskriterien

Beim Best-in-Class-Ansatz steht die Auswahl (vergleichsweise) verantwortlich wirtschaftender Unternehmen im Fokus. Ziel ist es hier, innerhalb der einzelnen Branchen die Unternehmen zu identifizieren, die sich in besonderer Weise um die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung kümmern. Dazu werden die Unternehmen nach einer Vielzahl von Kriterien bewertet, die sich – in der Regel in der bekannten Dreiteilung Umwelt, Soziales und Governance – auf alle relevanten Bereiche der unternehmerischen Tätigkeit beziehen.

Bei dem Ansatz werden grundsätzlich erst einmal alle Branchen betrachtet, so auch zum Beispiel Automobilindustrie und hier diejenigen Unternehmen, die im Branchenvergleich besonders nachhaltig sind. Allerdings wird dieser Ansatz auch häufig mit Ausschlusskriterien kombiniert und damit Branchen von vornherein ausgeschlossen.

Auch bei der Auswahl von Staatsanleihen lassen sich Positivkriterien berücksichtigen. So können gezielt die Anleihen von Staaten zum Investment ausgewählt werden, die die aufgenommenen Mittel beispielsweise in Bildung, Klimaschutz, das Gesundheitssystem oder Infrastruktur investieren, anstatt sie für Rüstung oder reine Prestigeprojekte auszugeben. Aus Anlegersicht ist dies auch im Hinblick auf die Fähigkeit der Staaten zur Zahlung der Zinsen und Rückzahlung der Anleihen relevant.

Muss der Anleger mit nachhaltigen Geldanlagen auf Rendite verzichten?

Vereinzelt hört man am Markt noch das Vorurteil, dass nachhaltige Kapitalanlagen strukturell eine schlechtere Performance hätten als konventionelle Anlagen. Das häufig zitierte Hauptargument für diese Annahme ist, dass jede Einschränkung des Anlageuniversums, beispielsweise durch die Nutzung von Ausschlusskriterien, wegen der geringeren Diversifikationsmöglichkeiten zu einer Einschränkung von Renditechancen und einem höheren Risiko führen muss. Nachhaltige Investoren sind hingegen davon überzeugt, dass gerade die zusätzlichen extra-finanziellen Kriterien zu den ESG-bezogenen Leistungen dabei helfen, das komplexe Geflecht von Chancen und Risiken insbesondere eines Unternehmens umfassender zu verstehen.

Unternehmen, die effizient mit Energie umgehen und eine Antwort auf den Klimawandel haben, ihre Mitarbeiter laufend qualifizieren oder sich bei der Gestaltung ihrer Produkte an den steigenden umweltbezogenen und sozialen Anforderungen ihrer Kunden orientieren, werden ihrer Einschätzung nach auch wirtschaftlich langfristig erfolgreicher sein.

Was plausibel klingt, wird durch eine Vielzahl von Analysen statistisch untermauert. Seit 1970 wurden weltweit mehr als 2’200 Studien zu der Frage durchgeführt, ob nachhaltige Unternehmen erfolgreicher wirtschaften als ihre nicht-nachhaltig agierenden Konkurrenten bzw. ob deren „nachhaltige“ Wertpapiere sich besser entwickeln als konventionelle Aktien und Anleihen. Insgesamt lässt sich festhalten: Die Erzielung einer wettbewerbsfähigen risikoadjustierten Rendite und die Berücksichtigung von ESG-Standards sind grundsätzlich gut miteinander vereinbar.

Link zum FNG-Leitfaden

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