HomeRATGEBERKann ich mich bei Stellenverlust in der 2. Säule freiwillig weiterversichern?

Kann ich mich bei Stellenverlust in der 2. Säule freiwillig weiterversichern?

Kann ich mich bei Stellenverlust in der 2. Säule freiwillig weiterversichern?

Wer wenige Jahre vor der Pensionierung seine Stelle und damit die Pensionskasse verliert, muss sein Vorsorgekapital bis anhin auf ein Konto bei einer Freizügigkeitsstiftung überweisen. Bei der Pensionierung muss er es als Kapital beziehen. Ab 2021 ändert sich das jedoch.

Per 1. Januar 2021 tritt mit Art. 47a BVG eine Gesetzesänderung in Kraft, die es allen Versicherten ab 58 Jahren – denen die Arbeitsstelle gekündigt wurde – ermöglicht, in der beruflichen Vorsorge auf freiwilliger Basis weiterversichert zu bleiben.

PK-Netz wertet dies in ihrem aktuellen Positionspapier als einen sozialpolitischen Erfolg. Viele ältere Personen würden bis heute bei Stellenverlust ihren Rentenanspruch verlieren. Sie würden stattdessen zum Kapitalbezug gezwungen. Für die gewerkschaftsnahe Organisation ist das stossend, und nicht im Sinne einer Sozialversicherung, die gemäss Verfassungsauftrag zusammen mit der AHV im Alter die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise ermöglichen sollte.

Gibt es bisher keine Möglichkeit, sich freiwillig weiter zu versichern?

Vorsorgeeinrichtungen können bereits heute reglementarisch die vorzeitige Pensionierung (Art. 13 BVG) und die freiwillige Weiterversicherung bei Stellenaufgabe (Art. 47 BVG) vorsehen. Bei einer vorzeitigen Pensionierung werden die Altersrenten aber empfindlich gekürzt. Die freiwillige Weiterversicherung wiederum wird von den regionalen Aufsichtsbehörden in der Regel zeitlich auf zwei Jahre beschränkt. Die Versicherten sind zudem darauf angewiesen, dass ihre Vorsorgeeinrichtung diese Leistungen überhaupt anbietet. Bei der freiwilligen Weiterversicherung ist die gemäss PK-Netz selten der Fall.

Was geschieht mit dem Vorsorgeguthaben, wenn jemand seine Arbeitsstelle verliert?

Den Versicherten bleibt dann nur die Wahl, ihr Altersguthaben auf einem Freizügigkeitskonto zu parkieren. Der Zins, den sie dafür erhalten, ist allerdings wesentlich geringer als die Verzinsung ihres Kapitals in einer Pensionskasse.

Kann man es später auch als Rente beziehen?

Von der Freizügigkeitsstiftung können die Versicherten ihr Guthaben später nur als Kapital beziehen, nicht als Rente. Eine Rente bietet aber mehr Sicherheit, da sie lebenslang garantiert ist. Damit sinkt auch das Risiko, später auf Ergänzungsleistungen angewiesen zu sein.

Wie äussert sich das finanziell?

Auf einem Freizügigkeitskonto beträgt der Zins pro Jahr derzeit etwa 0.01%. Der gesetzliche Mindestzinssatz im obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge beträgt hingegen 1%. Freiwillig Versicherte haben die gleichen Rechte wie alle anderen Versicherten einer Pensionskasse. Sie haben somit Anspruch auf die gleiche Verzinsung ihres Altersguthabens.

Seit Stellenverlust mit 58 Jahren bis zur ordentlichen Pensionierung mit 65 Jahren macht das beim Freizügigkeitskonto 280 Franken, in der Pensionskasse aber 28’854 Franken.

Hinzu kommt die Rentenumwandlung. Beim Freizügigkeitskonto ist diese nicht möglich, es wird nur das angesparte Kapital ausbezahlt. Von der Pensionskasse wird das Vorsorgeguthaben jedoch mit einem Umwandlungssatz von durchschnittlich etwa 5% in eine Rente umgewandelt. Zurzeit liegt der gesetzliche Umwandlungssatz im Obligatorium indes bei 6.8%.

Wer kann sich dank der Gesetzesänderung künftig freiwillig weiterversichern?

Das neue Gesetz besagt, dass es per 1. Januar 2021 allen BVG-Versicherten ab 58 Jahren möglich ist, sich bis zum ordentlichen Pensionsalter freiwillig weiter zu versichern, sollte ihr Arbeitsverhältnis vom Arbeitgeber aufgelöst worden sein, ohne ihr Vorsorgeguthaben vorbeziehen zu müssen. Dies gilt selbst dann, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, die entsprechenden Sparbeiträge zu leisten.

Die Pensionskassen können das Mindestalter zwar auf 55 Jahre absenken. Sie dürfen die Weiterversicherung aber keinen Versicherten anbieten, die selber gekündigt haben. PK-Netz hält in ihrem Positionspapier fest, dass Arbeitnehmer, die unter Druck selber kündigen, ebenfalls die Möglichkeit erhalten sollten, sich freiwillig weiter zu versichern. Sie fordert Pensionskassen dazu auf, dies in ihrem Reglement ausdrücklich so festzuhalten.

Was kostet eine Weiterversicherung den Versicherten?

Wer sich freiwillig weiterversichert, muss auf jeden Fall die Beiträge für die Risikoversicherung Tod und Invalidität weiterzahlen. Dabei muss er auch den Anteil des Arbeitgebers übernehmen. Das kann Kosten von 1.5% bis 4% des zuletzt versicherten Lohns verursachen.

Müssen Sparbeiträge weiter eingezahlt werden?

Sparbeiträge müssen nicht zwingend weiter in die Pensionskasse eingezahlt werden. Versicherte können dies laut Gesetz freiwillig tun und dabei die Höhe der Sparbeiträge selber bestimmen.

Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) vertritt die Ansicht, dass eine freiwillig versicherte Person anfänglich Sparbeiträge einzahlt, dies später aber unter Umständen nicht mehr tut, wenn sie sich die Beiträge nicht mehr leisten kann. Im Gesetzt ist dies nicht geregelt.

Doch Vorsicht: Wer die vereinbarten Beiträge reduziert oder nicht mehr einzahlt riskiert, dass die Vorsorgeeinrichtung die Versicherung kündigt. Eine Änderung der Beitragszahlungen sollte deshalb mit der Pensionskasse abgesprochen sein.

Können die Beitragszahlungen von den Steuern abgezogen werden?

Die Beiträge dürfen – ebenso wie ein Einkauf in die Pensionskasse – vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden.

Wann endet die freiwillige Weiterversicherung?

Die freiwillige Weiterversicherung endet automatisch bei Erreichen des ordentlichen Pensionsalters. Die versicherte Person kann aber jederzeit aus der Versicherung austreten, bzw. diese kündigen. Die Weiterversicherung endet auch dann, wenn die versicherte Person eine neue Stelle gefunden hat und ihr Vorsorgeguthaben an die Pensionskasse des neuen Arbeitgebers überträgt. Dies ist gesetzlich vorgeschrieben.

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