HomeFINANZENInstitutionelle Investoren erwarten eine globale Finanzkrise

Institutionelle Investoren erwarten eine globale Finanzkrise

Institutionelle Investoren erwarten eine globale Finanzkrise

Pensionskassen, Versicherungen, Unternehmen und Stiftungen blicken besorgt in die Zukunft. Sie sehen vor allem die steigende Verschuldung der öffentlichen Haushalte und die niedrigen Wachstumsraten als Problem.

Rund 89% der von Natixis Investment Managers befragten institutionellen Investoren befürchten, dass die hohe öffentliche Verschuldung sich negativ auf die globalen Finanzmärkte auswirken werde. Vor diesem Hintergrund erwarten 83% eine weitere Finanzkrise innerhalb der nächsten fünf Jahre. 62% rechnen damit bereits innerhalb der kommenden drei Jahre. Dies geht aus dem «2020 Institutional Outlook» von Natixis Investment Manaers hervor, wozu 500 institutionelle Investoren in Europa, Nordamerika, Latein-Amerika, Asien und im Nahen Osten befragt wurden. In der Schweiz wurden 19 Grossanleger befragt.

«In den vergangenen zwölf Monaten sahen sich Investoren mit einer Vielzahl an makroökonomischen Herausforderungen konfrontiert. Vor diesem Hintergrund gehen sie eher früher als später von einem globalen Abschwung aus. Viele haben eine abwartende Haltung angenommen, die sie davon abhält, signifikante Veränderungen in ihren Portfolios vorzunehmen», sagt Timo H. Paul, Head German Speaking Switzerland bei Natixis Investment Managers in Zürich.

Anleger rechnen mit steigender Volatilität

Das weiterhin komplexe markoökonomische Umfeld ist nach Ansicht der Profianleger eine Quelle für erhöhte Volatilität. 52% gehen davon aus, dass die Volatilität an den Währungsmärkten im kommenden Jahr zunehmen wird. 77% erwarten dies mit Blick auf die Aktienmärkte, und 62% für die Anleihemärkte. Eine erhöhte Unsicherheit geht für Investoren auch vom globalen politischen Umfeld aus. 69% der befragten Grossanleger sehen in der Beeinflussung von Wahlen durch das Ausland einen erheblichen Störfaktor. 64% erwarten im Rahmen des US-Wahlkampfs eine erhöhte Volatilität an den Märkten.

Insgesamt steht Volatilität als Risikofaktor ganz oben auf der Sorgenliste von institutionellen Investoren. 53% äusserten sich entsprechend. Mit 50% steht das anhaltende Niedrigzinsumfeld an zweiter Stelle, gefolgt von Sorgen über sich verschlechternde Kreditbedingungen (37%). Mangelnde Liquidität betrachten 35% als ein zentrales Risiko. 20% sorgen sich verstärkt um Deflation.

Institutionelle Investoren setzen auf aktives Management

Angesichts steigender Volatilität und eines herausfordernden Zinsumfeldes erwartet fast die Hälfte der Befragten (46%) eine zunehmende Streuung. Der daraus resultierende erhöhte Spread von Wertpapierpreisen könnte ein Grund dafür sein, dass institutionelle Investoren zu zwei Dritteln der Meinung sind, dass das aktuelle Marktumfeld aktives Management begünstige. 71%Prozent weisen daher in ihren Portfolios eine starke Gewichtung des aktiven Managementstils auf und gehen davon aus, das Verhältnis von 70% aktivem Management und 30% passivem Management auch in den kommenden drei Jahre beizubehalten.

Nachhaltigkeitskriterien gewinnen an Bedeutung

64% der Grossanleger gaben an, in der einen oder anderen Weise Environmental, Social, and Governance (ESG)-Strategien in ihrer Kapitalanlage zu berücksichtigen. 2017 lag die Zahl der Nichtanwender noch bei 40%. Überwiegend nutzen Investoren ESG-Strategien aus Renditegründen. 54% erkennen darin eine Chance, Alpha zu erzielen. 57% sehen in ESG-Strategie eine Möglichkeit, ihre Kapitalanlage mit ihren Unternehmenswerten in Einklang zu bringen. 37% nutzen ESG als Instrument der Risikominimierung.

Bei Anleihen werden vermehrt Negativrenditen erwartet

Mehr als die Hälfte (56%) geht für 2020 von einem steigenden Anteil negativer Renditen bei Anleihen aus. 54% sehen die Zentralbanken nicht in der Lage, eine neue Krise meistern zu können. Insgesamt sind sich die Investoren bewusst, auf der Suche nach auskömmlichen Renditen vermehrt Risiken eingehen zu müssen. Drei Viertel von ihnen glauben allerdings, dass sie dabei bisher zu viele Risiken in Kauf genommen haben.

Privater Kapitalmarkt gewinnt aus Renditezwecken an Bedeutung

Der Renditedruck hat Grossanleger weltweit veranlasst, sich verstärkt dem privaten Kapitalmarkt zuzuwenden. Davon versprechen sie sich vor allem zwei Vorteile: 62% wollen damit die Diversifikation im Portfolio verbessern, 61% erwarten sich attraktivere Renditen. 79% setzen dabei auf Private Equity, und 76% auf Private Debt.

«Nach einem Jahrzehnt niedriger Zinsen wenden sich institutionelle Investoren nun verstärkt alternativen Anlageklassen zu, um ihre langfristigen Renditeziele zu erreichen», weiss Timo H. Paul. 68% sagen, dass sie die Chancen an den privaten Kapitalmärkten künftig dauerhaft nutzen wollen.

Share With:
Rate This Article

info@s-mediacomm.ch

No Comments

Leave A Comment