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Finanzanalysten hoffen noch 2021 auf ein Ende der Corona-Pandemie

Finanzanalysten hoffen noch 2021 auf ein Ende der Corona-Pandemie

Viele von der Credit Suisse befragte Analysten rechnet bis zur Jahresmitte mit einer Aufhebung der grössten Covid-19-Einschränkungen. Dennoch propagieren sie eine Ausweitung der bestehenden Fiskalmassnahmen und des Härtefallprogramms.

Obwohl die Unsicherheit wegen der neuesten Mutationen des Coronavirus hoch bleibt und die Ladenschliessungen in der Schweiz in den Umfragezeitraum fallen, hat sich der ‘CFA Society Switzerland Indikator’ im Januar kaum verändert. Mit 43.2 Punkten notiert er nur knapp unter dem Dezemberniveau (46.8 Punkte) und bleibt damit historisch hoch. Nach prognostizierten 1.6% Wachstum für 2021 vom vergangenen Oktober prognostizieren die Analysten nun eine BIP-Zuwachsrate von 2.5%. Auch für 2022 liegt die Durchschnittsprognose mit 2.1% Wachstum noch über dem Trend.

Stimmungsbarometer ist trotz zweitem Lockdown robust

Dass trotz der Gefahr, die von den Mutationen ausgeht, zwei Drittel der Umfrageteilnehmer eine Verbesserung der Schweizer Konjunktur bis zur Jahresmitte erwarten, dürfte dem Start der Impfkampagne und der Aussicht auf ein grosses, die globale Nachfrage stimulierendes Fiskalpaket in den USA geschuldet sein. Die Einschätzungen und Erwartungen zur Wirtschaftslage in der Eurozone und den USA bleiben ähnlich robust; lediglich für China ist eine Abschwächung der Wachstumsdynamik zu beobachten. China hat einerseits selbst mit einem Anstieg der Corona-Fallzahlen zu kämpfen, andererseits ist das Land in der Erholung dem Westen weit voraus und könnte sich nach den anfänglich starken Nachholeffekten bereits auf einem moderateren Wachstumspfad befinden.

Exporterwartungen der Analysten befinden sich auf einem Allzeithoch

Die Exportaussichten für die Schweizer Wirtschaft sind den Analysten zufolge dank der prognostizierten weltweiten Erholung auf den besten Wert seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2013 geklettert. Auch die Inflationserwartungen für die nächsten sechs Monate sind sowohl für die Schweiz als auch die Eurozone und die USA gestiegen. Dies dürfte zumindest teilweise aber mit jenem Basiseffekt zu erklären sein, der auftreten wird, wenn der starke Preisrückgang vom April letzten Jahres aus der Berechnung der jährlichen Veränderungsrate herausfällt.

Arbeitslosenquote dürfte in den nächsten sechs Monaten ansteigen

Auf dem Arbeitsmarkt erwarten die Analysten nämlich keinen Lohn- und Preisdruck: Der zweite Lockdown in der Schweiz führt gemäss den Umfrageergebnissen erst einmal zu einer Verschlechterung der Arbeitsmarktaussichten; 72% der Befragten rechnen mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote in den nächsten sechs Monaten.

Zins- und Wechselkurserwartungen bleiben kurzfristig unverändert

Eine schwächere Dynamik erwarten die Analysten auch für den Aktienmarkt. Sie prognostizieren zwar nach wie vor deutlich steigende Kurse für SMI, EuroStoxx 50 und S&P 500, der Konsens darüber ist aber etwas kleiner geworden. Praktisch unverändert bleiben die Zinserwartungen der Umfrageteilnehmer am kurzen und auch am langen Ende der Zinskurve. Leitzinsanpassungen schliessen über 90% der Analysten für alle Regionen aus. Für die langfristigen Zinsen in der Schweiz ist im Vergleich zum Vormonat ein Anstieg zwar wahrscheinlicher geworden, aber rund 60% der Befragten rechnen nach wie vor mit keiner Veränderung. Auch der EUR/CHF-Kurs sollte sich gemäss Umfrageergebnissen seitwärts bewegen, gegenüber dem USD besteht für den CHF aber wohl weiterhin Aufwertungsdruck.

Mittelfristige Wachstumsaussichten bessern sich wieder

Seitdem die Analysten das letzte Mal zu ihren Wachstumsprognosen für 2021 befragt worden sind, hat die zweite Welle die Erholung unterbrochen; gleichzeitig sind aber auch die Impfkampagnen weltweit angelaufen. Beides führt dazu, dass die Analysten ihre mittelfristigen Wachstumsprognosen für das Bruttoinlandprodukt (BIP) deutlich nach oben korrigieren. Nach 1.6% im Oktober prognostizieren sie nun eine Zuwachsrate von 2.5% für 2021. Auch für 2022 liegt die Durchschnittsprognose mit 2.1% noch über dem Trend. Dass mögliche weitere Viruswellen die Erholung 2021 doch noch ausbremsen könnten, ist gemäss den Umfrageergebnissen unwahrscheinlich. Nur 13% der Analysten rechnen mit einem geringen BIP-Wachstum von 0 bis 1%, und nur 5% erwarten gar eine Rezession.

Normalisierung der Inflationsrate bis 2022 erwartet

Die besseren Wirtschaftsprognosen wirken sich auch auf die mittelfristigen Inflationserwartungen der Analysten aus, die sich im Vergleich zum letzten Quartal weiter nach oben bewegt haben. Zwar rechnen 37% der Befragten für 2021 nach wie vor mit einem sinkenden Preisniveau, der Mittelwert der Schätzungen hat sich aber im Vergleich zum Oktober verbessert und bleibt mit 0.3% im Zielband der Schweizerischen Nationalbank. Für 2022 prognostizieren die Analysten dann eine deutlichere Erholung der Teuerungsrate, nur noch ein Viertel erwartet über das Jahr hinweg einen Preisrückgang. Die Durchschnittsprognose der Umfrageteilnehmer liegt mit 0.6% über der tatsächlichen jährlichen Inflationsrate von vor der Pandemie im Jahr 2019 (0.4%).

Sonderfragen: Das meinen Analysten zur Coronakrise

Im Vergleich zum August 2020, als wir die Analysten in einer Sonderreihe das erste Mal zur Coronakrise befragt haben, fällt auf, dass sich der Homeoffice-Trend verstärkt oder verlängert hat. Während im Sommer 2020 noch jeder dritte Befragte davon ausgegangen war, 2021 wieder grösstenteils ins Büro zurückzukehren, tut dies nun nur noch jeder fünfte. Dafür planen 36% (statt 15% im Sommer), während des ganzen Jahres hauptsächlich im Homeoffice zu arbeiten. Dies, obwohl 80% der Umfrageteilnehmer erwarten, dass die meisten Covid-19-Einschränkungen in der Schweiz noch 2021 aufgehoben werden; fast die Hälfte rechnet damit bereits im zweiten Quartal. Die Rückkehr ins Büro sehen die Analysten also als einen der letzten Schritte zurück zur Normalität. Dass eine Virusmutation über das nächste Jahr hinaus zu länger anhaltenden Einschränkungen führt, ist in den Augen der Analysten recht unwahrscheinlich – nur 7% der Befragten sehen diese Gefahr.

Schweiz dürfte 2022 wieder ihr wirtschaftliches Vorkrisenniveau erreichen

Dementsprechend gehen auch zwei Drittel der Umfrageteilnehmer davon aus, dass die Schweiz im Laufe des Jahres 2022 ihr wirtschaftliches Vorkrisenniveau wieder erreichen wird. Rund ein Fünftel ist optimistischer und sieht das bereits 2021 eintreten. Knapp 15% befürchten aber auch, dass die Krise schädliche Zweitrundeneffekte auslöst, die das Wachstum langfristig mindern werden.

Regierung dürfte bestehende Wirtschaftshilfen ausweiten

Um dies zu verhindern, hat die Schweizer Politik eine Reihe von Fiskalmassnahmen ergriffen. Bei der Frage nach einer möglichen Ausdehnung dieser Hilfen erwarten die Analysten keine Innovation, aber fast geschlossen eine Ausweitung der bestehenden Instrumente: 43% gehen davon aus, dass Bund und Kantone das Härtefallprogramm mit weiteren Mitteln aufstocken werden, 26% rechnen mit einer Wiederaufnahme des Covid-19-Kreditprogramms und 29% sehen eine Ausweitung der Kurzarbeit.

Staatsschulden dürften ansteigen

Damit einher geht ein Anstieg der Staatsschulden, über den die Befragten aber wenig besorgt zu sein scheinen. Bereits in der August-Umfrage hat sich gezeigt, dass die Analysten grösstenteils damit rechnen, dass ein höheres Schuldenniveau in der Schweiz toleriert wird. In einer Wiederauflage der Frage für die EU in diesem Monat bleibt das Fortbestehen der Schulden die am häufigsten gewählte Lösung für das Schuldenproblem. Allerdings fällt auf, dass nun wesentlich mehr Analysten (43% statt 26% im August) auch eine höhere Inflation als realistisch ansehen.

Über die Umfrage

Die CFA Society Switzerland und die Credit Suisse führen seit Januar 2017 die Finanzmarkt-Umfrage Schweiz, eine monatliche Befragung von Finanzanalysten, durch. Die detaillierten Ergebnisse der zwischen dem 14.01.2021 und 21.01.2021 durchgeführten Umfrage, an der sich 44 Analysten aus der Schweizer Finanzbranche beteiligt haben, werden hier veröffentlicht.

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