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Die UBS senkt die Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft 2020 deutlich

Die UBS senkt die Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft 2020 deutlich

Die Grossbank UBS revidiert ihre Wachstumsprognose für das Schweizer Bruttoinlandprodukt dieses Jahr von -4.6% auf -5.5%. Nächstes Jahr soll die Wirtschaft dafür statt um 3.9% sogar um 4.4% wachsen. Voraussetzungen sind keine weitere Corona Infektionswelle und kein zweiter Lockdown.

Das Wachstum wird im ersten Halbjahr einbrechen. Dank einer wirkungsvollen Fiskalpolitik und einem zügigen Ausstieg aus dem Lockdown dürfte sich die Schweizer Wirtschaft aber ab dem zweiten Halbjahr und im Jahr 2021 deutlich erholen.

Schweizer BIP ist im 1.Quartal real um 2.6% geschrumpft

Das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) ist im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal real um 2.6% gefallen; gegenüber dem Vorjahr betrugt der Rückgang 1.5% (auf nicht saisonbereinigter Basis -1.3%). Der private Konsum verzeichnete aufgrund der Schliessung von Restaurants und Läden ab Mitte März einen massiven Einbruch von 3.5%. Der öffentliche Konsum konnte seine Aufgabe als Stabilisator wahrnehmen und wuchs um 0.7%.

Bauinvestitionen (-0.4%) als auch Ausrüstungsinvestitionen (-4%) litten ebenfalls unter dem Lockdown. Die Exporte hielten sich einigermassen stabil, dank einer robusten Entwicklung der Pharmaexporte, während der Einbruch der Importe auch auf den rückläufigen privaten Konsum zurückzuführen ist.

Ein Abbau der Lagerbestände belastete das Wachstum im Anfangsquartal. Veränderungen in den Lagerbeständen sind oft Schätzfehler in den anderen Komponenten, aber möglicherweise waren die Unternehmen im März angesichts der Unterbrüche in der Wertschöpfungskette gezwungen, ihre Lager zu reduzieren.

Der Konjunktureinbruch im März spiegelt sich auch in anderen Indikatoren zur Schweizer Wirtschaft. Zwar profitierte die Industrie im ersten Quartal noch von einem relativ stabilen Export, im Jahresvergleich konnte die Industrieproduktion um 0.2% zulegen.

Die Produktion von kurzlebigen Produkten und Energie entwickelte sich bis zum ersten Quartal robust, der Einbruch bei der Kapitalgüterproduktion und bei der Herstellung von Zwischengütern sind aber Vorboten des Konjunktureinbruchs.

Beschäftigung dürfte im 2. Quartal massiv unter Druck geraten

Bei der Beschäftigung zeigte sich die Corona-Krise bisher nur ansatzweise. Sie konnte im ersten Quartal im Jahresvergleich um 0.3% zulegen. Allerdings deutet die starke Verlangsamung im Vergleich zum Schlussquartal 2019 an, dass die Beschäftigung im zweiten Quartal massiv unter Druck geraten dürfte.

Die Konjunkturforscher von BAK Economics rechnen bis 2021 mit dem Wegfall von rund 95’000 Arbeitsplätzen in der Gesamtwirtschaft. Als Basis gehen sie von einem Rückgang der Beschäftigung (umgelegt auf Vollzeitstellen) von 1.3% im laufenden und einer Stagnation im nächsten Jahr aus. Die Ökonomen des Bundes rechnen gar für 2020 mit einem Beschäftigungsrückgang von 1.5%, dem 2021 ein Anstieg um 0.2% folgen soll. Danach wären in der Schweiz 100’000 Arbeitsplätze bedroht.

Besonders betroffen ist der Touristik- und Gastrobereich, wo der Abbau von über 30’000 Arbeitsplätzen droht. Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie rechnet mit dem Verlust von 20’000 Stellen, die Uhrenbranche bis zu 4’000 Stellen. Drastische Einschnitte sind überdies in der Logistik sowie im Flug- und im flugnahen Sektor geplant. Betroffen sind auch der Detailhandel und persönliche Dienstleister.

Talsohle wurde im Mai durchschritten

Die wirtschaftliche Entwicklung dürfte mit dem Ausstieg aus dem Lockdown im Mai die Talsohle durchschritten haben. Darauf deutet die Entwicklung der Einkaufsmanagerindizes hin. Während der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes sich nur leicht erholte, war die Stimmung im Dienstleistungssektor nach der Öffnung der Wirtschaft im Mai deutlich besser als noch im April.

Bei den Exportzahlen, die von der Eidgenössischen Zollverwaltung publiziert werden, zeigt sich im April ein geteiltes Bild. Während sich die Exporte der Pharmaindustrie im Jahresvergleich immer noch gut halten, brechen die Exporte in den übrigen grossen Branchen massiv ein. Damit wird das zweite Quartal für die Exportwirtschaft deutlich schlechter ausfallen als das erste.

Konsum dürfte sich im 2. Quartal nochmals deutlich abschwächen

Im Gegensatz zu den Exporten bekam der Detailhandel bereits im April die volle Wucht des Lockdowns zu spüren. Die saisonbereinigten Detailhandelsumsätze fielen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15%, unter Ausklammerung von Nahrungsmitteln gar um fast 30%. Damit dürfte sich der Konsum im zweiten Quartal nochmals deutlich abschwächen.

Wirtschaft könnte Ende Jahr richtig Fahrt aufnehmen

In der Schweiz und in vielen europäischen Ländern ist die Lockerung der Corona-Massnahmen im vollen Gange. Bis Ende Juni dürfte die Grundlage für eine Erholung gelegt sein. Allerdings ist noch unklar, wann auch im Konsumverhalten der Haushalte die Normalität wieder einkehrt. In einem optimistischen Szenario mit der Aussicht auf eine rasche Einführung eines Impfstoffes ist dies möglicherweise schon im dritten Quartal der Fall. Das würde auf eine rasche und starke (v-förmige) Erholung hindeuten.

In einem vorsichtigeren, u-förmigen Szenario (unserem Basisszenario) kehrt das Vertrauen der Konsumenten erst im Verlaufe der zweiten Jahreshälfte zurück. Die Erholung beginnt hier auch bereits im dritten Quartal, aber nimmt erst gegen Ende Jahr richtig Fahrt auf.

Zweite Welle und erneuter Lockdown sind nicht auszuschliessen

Eine zweite Welle und möglicherweise ein zweiter Lockdown sind nicht auszuschliessen, aber unwahrscheinlich. Die bisher erfolgreiche Öffnung der Wirtschaft in Europa deutet an, dass sich eine zweite Welle inzwischen auch mit weniger restriktiven Massnahmen vermeiden lässt.

2020 schwächer, aber 2021 stärker

Der Wirtschaftseinbruch im ersten Quartal war stärker als erwartet. Es deutet sich an, dass die Schrumpfung im zweiten Quartal auch stärker ausfallen könnte als bisher prognostiziert. Aus diesem Grund revidieren die Ökonomen der UBS das BIP-Wachstum für das Jahr 2020 von -4.6% auf -5.5%. Dank einer wirkungsvollen Fiskalpolitik und einem zügigen Ausstieg aus dem Lockdown dürfte die Erholung der Schweizer Wirtschaft aber gelingen.

Aufgrund des schwächeren BIP-Wachstums in diesem Jahr ist im nächsten Jahr mehr Potenzial für eine Erholung vorhanden. Die Ökonomen rechnen deshalb für das Jahr 2021 mit einem Wachstum von 4.4% statt wie bisher 3.9%.

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