HomeWIRTSCHAFTVOLKSWIRTSCHAFTDie Schweizer Wirtschaftsleistung schrumpft im 1. Quartal stärker als während der Finanzkrise

Die Schweizer Wirtschaftsleistung schrumpft im 1. Quartal stärker als während der Finanzkrise

Die Schweizer Wirtschaftsleistung schrumpft im 1. Quartal stärker als während der Finanzkrise

Die Schweizer Wirtschaft ist im 1. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal um 2.6% geschrumpft. Dies entspricht dem stärksten Rückgang seit der globalen Finanzkrise von 2008/09. Damals resultierte ein Rückgang von knapp 2%.

Das BIP der Schweiz ging im 1. Quartal 2020 um 2.6% zurück, nach +0.3% im Vorquartal. Wegen Corona war die Wirtschaftsaktivität im März stark eingeschränkt. Der internationale Konjunktureinbruch bremste zudem die Exportwirtschaft.

Dienstleistungssektor war am Härtesten betroffen

Der Dienstleistungssektor war besonders von Betriebsschliessungen und Einschränkungen betroffen. Die Wertschöpfung ging bei fast allen Diensten zurück. Rückgänge historischen Ausmasses ereigneten sich im Handel (-4.4%) und im Gastgewerbe (-23.4%), das bereits ab Anfang März mit sinkenden Gästezahlen aus dem Ausland zu kämpfen hatte. Die Transport- und Kommunikationsbranche (-5.1%) registrierte im Zuge ausgedünnter Fahr- und Flugpläne das stärkste Minus der letzten 30 Jahre. Ein negativer Impuls historischen Ausmasses kam zudem vom Gesundheitssektor (-3.9%): Verschiedene medizinische Behandlungen wurden zeitweise ausgesetzt. Dagegen stützten die öffentliche Verwaltung (+0.8 %) und die Finanzbranche (+2.3 %) das BIP. Letztere profitierte insbesondere von einem wachsenden Auslandgeschäft. Insgesamt gingen die Dienstleistungsexporte (-4.4%) wie auch die Dienstleistungsimporte (-1.2%) zurück.

Privater Konsum brach auf breiter Basis ein

Im Zuge der gesundheitspolitischen Eindämmungsmassnahmen und der grossen Unsicherheit brach der private Konsum (-3.5%) auf breiter Basis ein. Angesichts geschlossener Geschäfte ab dem 17. März gingen die Einkäufe von Möbeln und von Bekleidung stark zurück wie auch die Ausgaben für Mobilität, Freizeit und Gesundheit. Ebenfalls rückläufig entwickelten sich die Bauinvestitionen (-0.4%) und die Ausrüstungsinvestitionen (-4.0%). Als einzige inländische Nachfragekomponente stützte der Staatskonsum (+0.7%) die Konjunktur. In Summe registrierte die inländische Endnachfrage (-2.7%) den stärksten Rückgang der letzten Jahrzehnte.

Exporte gingen in vielen Industriebranchen zurück

Gleichzeitig verschlechterte sich die Wirtschaftslage bei wichtigen Handelspartnern massiv. Dies belastet die konjunktursensitiven Industriebranchen wie jene der Maschinen und Metalle sowie der Präzisionsinstrumente und Uhren. Die Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes (-1.3%) registrierte den stärksten Rückgang seit dem Frankenschock Anfang 2015. Damit einher gingen spürbare Rückgänge bei den Exporten vieler Industriebranchen. Die gewichtige Exportrubrik der chemisch-pharmazeutischen Erzeugnisse und der Transithandel entwickelten sich dagegen positiv, sodass das Total der Warenexporte (+3.4%) anstieg. Die Warenimporte (-1.1%) nahmen ab, im Einklang mit der rückläufigen Inlandnachfrage.

Methodischer Hinweis

Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die Statistikproduktion aus. Im Einklang mit den Empfehlungen von Eurostat wurden die Basisdaten und die Methoden bei der aktuellen BIP-Berechnung vertieft überprüft, um verzerrende Effekte aufgrund der Corona-Pandemie zu vermeiden. Insbesondere wurden, zusätzlich zu den bestehenden Datenquellen, die aktuellen Informationen zu den Voranmeldungen zur Kurzarbeit und die bisher eingegangenen Abrechnungen berücksichtigt. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse mit den Eindämmungsmassnahmen gemäss der Covid-19-Verordnung 2 des Bundesrates abgeglichen. Schliesslich wurden alle Saisonbereinigungsmodelle überprüft und wo erforderlich angepasst. Dennoch ist es möglich, dass bei der derzeitigen Datenlage in den kommenden Quartalen stärkere Revisionen als üblich notwendig werden.

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