HomeFINANZENDie Nationalbank hält die Zinsen weiterhin tief und die Liquidität für Banken hoch

Die Nationalbank hält die Zinsen weiterhin tief und die Liquidität für Banken hoch

Die Nationalbank hält die Zinsen weiterhin tief und die Liquidität für Banken hoch

Die Corona-Pandemie und der erfolgte massive Einbruch der Weltwirtschaft machen es nötig, die Zinsen weiterhin tief zu halten, sagt die SNB. Sie will auch verstärkt am Devisenmarkt intervenieren und die Banken mit zusätzlicher Liquidität unterstützen.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt den SNB-Leitzins und den Zins auf Sichtguthaben bei -0.75%. Angesichts des hoch bewerteten Schweizer Frankens ist sie auch weiterhin bereit, verstärkt am Devisenmarkt zu intervenieren. Darüber hinaus führt sie im Rahmen der SNB-COVID-19-Refinanzierungsfazilität (CRF) dem Bankensystem zusätzliche Liquidität zu und unterstützt so die Versorgung der Wirtschaft mit günstigen Krediten. Ziel der expansiven Geldpolitik sei, zur Stabilisierung der Wirtschafts- und Preisentwicklung in der Schweiz beizutragen.

Neue Inflationsprognose verläuft tiefer als jene vom März

In der gegenwärtigen Situation unterlägen Inflations- und Wachstumsprognosen einer unüblich grossen Unsicherheit, wie die Nationalbank betont. Die neue bedingte Inflationsprognose verläuft tiefer als im März. Die Hauptgründe dafür seien die deutlich schwächeren Wachstumsaussichten und tiefere Erdölpreise. Für das laufende Jahr liegt die Prognose im negativen Bereich (-0.7%).

Die Nationalbank geht aber davon aus, dass die Inflationsrate 2021 steigen wird, aber immer noch leicht negativ ausfällt (-0.2%). 2022 soll sie dann wieder positiv werden (0.2%). Die bedingte Inflationsprognose beruht auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum bei -0.75% bleibt.

Globales Bruttoinlandprodukt dürfte im 2. Quartal massiv einbrechen

Die Corona-Pandemie hat die Weltwirtschaft in eine scharfe Rezession gestürzt. Die Massnahmen zur Eindämmung des Virus haben die Produktions- und Konsummöglichkeiten massiv eingeschränkt, was in vielen Ländern bereits im ersten Quartal 2020 zu einem heftigen Wirtschaftseinbruch geführt hat. Die Nationalbank rechnet im zweiten Quartal mit einem noch gravierenderen Rückgang des globalen Bruttoinlandprodukts (BIP). Die Arbeitslosigkeit hat in vielen Ländern zugenommen, wobei in Europa Kurzarbeitsprogramme einen stärkeren Anstieg verhindert haben.

Konjunktur dürfte sich im 3. Quartal deutlich erholen

Inzwischen wurde in etlichen Volkswirtschaften angesichts sinkender Ansteckungszahlen damit begonnen, die Eindämmungsmassnahmen zu lockern. Erste Indikatoren würden zeigen, dass sich die Wirtschaftsaktivität seitdem wieder belebe. Weitere Lockerungsschritte dürften zu einer deutlichen Erholung der Konjunktur im dritten Quartal beitragen, hofft die SNB.

Konsum- und Investitionsnachfrage dürfte vorerst verhalten bleiben

Die SNB geht in ihrem Basisszenario für die Weltwirtschaft davon aus, dass es gelingt, weitere Ansteckungswellen zu verhindern. Dennoch dürften die Konsum- und Investitionsnachfrage vorerst verhalten bleiben. Die globalen Produktionskapazitäten werden wohl noch längere Zeit unterausgelastet sein, und die Inflation dürfte in den meisten Ländern bescheiden bleiben.

Basisszenario ist mit Konjunkturrisken behaftet

Dieses Basisszenario sei mit grosser Unsicherheit in beide Richtungen behaftet, betont die SNB. Einerseits könnten weitere Ansteckungswellen oder handelspolitische Spannungen die Konjunkturentwicklung zusätzlich beeinträchtigen. Andererseits könnten die in vielen Ländern getroffenen bedeutenden geld- und fiskalpolitischen Massnahmen die Erholung stärker stützen als angenommen.

Schweizer BIP-Rückgang dürfte im 2. Quartal noch stärker ausfallen

Auch die Schweizer Wirtschaft befindet sich in einer scharfen Rezession. Entsprechend haben sich die meisten Konjunkturindikatoren in den letzten Monaten drastisch verschlechtert. Die Kurzarbeit erreichte ein noch nie dagewesenes Ausmass, die Arbeitslosigkeit nahm rasch zu, und die Konsumentenstimmung fiel auf ein Rekordtief. Obwohl der Abschwung erst im März einsetzte, lag das BIP bereits im ersten Quartal 2020 um 2.6% tiefer als im Vorquartal. Der Tiefpunkt der Wirtschaftsaktivität wurde im April erreicht. Die Nationalbank geht davon aus, dass der BIP-Rückgang deshalb im zweiten Quartal noch stärker ausfallen wird.

BIP dürfte 2020 um 6% schrumpfen

Verschiedene Signale deuten gemäss Nationalbank darauf hin, dass sich die Wirtschaftsaktivität mit den Lockerungsschritten seit Mai wieder etwas belebt hat. Diese positive Entwicklung dürfte sich in den nächsten Monaten fortsetzen, so die SNB. Allerdings geht die Nationalbank davon aus, dass die Erholung wie im Ausland vorerst unvollständig bleiben und das BIP sein Vorkrisenniveau nicht rasch wieder erreichen wird. Sie rechnet damit, dass das BIP dieses Jahr um rund 6% schrumpfen wird. Das wäre der stärkste Einbruch seit der Ölkrise in den 1970er-Jahren. Die Belebung der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte werde in einem deutlich positiven Wachstum im Jahr 2021 zum Ausdruck kommen.

Bund, SNB und Banken haben Kredit- und Liquiditätsversorgung der Unternehmen sichergestellt

Angesichts des Einnahmeneinbruchs bei vielen Unternehmen ist die angemessene Versorgung der Wirtschaft mit Überbrückungskrediten zentral für eine rasche Erholung, ist die SNB überzeugt. Überbrückungskredite könnten verhindern, dass krisenbedingte Liquiditätsengpässe zu Insolvenzen führten.

Damit die Banken solche Kredite schnell und günstig anbieten können, hat die SNB ihnen seit der Aktivierung der CRF rund 10 Milliarden Franken Liquidität zum SNB-Leitzins von -0.75% zur Verfügung gestellt. Die Banken erhalten diese Liquidität gegen Hinterlegung von COVID-19-Krediten, die der Bund oder die Kantone garantieren. Bund, SNB und Banken hätten so die angemessene Kredit- und Liquiditätsversorgung der Unternehmen in der Schweiz sichergestellt, so die SNB.

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