HomeFINANZENDie Nationalbank behält ihre expansive Geldpolitik bei

Die Nationalbank behält ihre expansive Geldpolitik bei

Die Nationalbank behält ihre expansive Geldpolitik bei

Die Schweizerische Nationalbank belässt den Leitzins und den Zins auf Sichtguthaben bei der SNB bei -0.75%. Sie wird zudem weiterhin am Devisenmarkt intervenieren, sollte dies wegen des Aufwärtsdrucks auf den Franken nötig sein.

Die Corona-Pandemie beeinträchtigt die Wirtschaft weiterhin stark. Vor diesem schwierigen Hintergrund führt die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre expansive Geldpolitik fort, um die Wirtschafts- und Preisentwicklung zu stabilisieren. Sie belässt daher den Leitzins und den Zins auf Sichtguthaben bei der SNB bei -0.75%. Wegen des hoch bewerteten Frankens ist sie weiterhin bereit, verstärkt am Devisenmarkt zu intervenieren. Sie berücksichtigt dabei die gesamte Währungssituation, wie sie anlässlich ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung erklärte.

Geschäftsbanken erhalten grosszügig Liquidität

Ausserdem stellt die Nationalbank dem Bankensystem im Rahmen der SNB-Covid-19-Refinanzierungsfazilität grosszügig Liquidität zur Verfügung. Die expansive Geldpolitik sorgt für günstige Finanzierungsbedingungen, wirkt dem Aufwertungsdruck auf den Franken entgegen und trägt zu einer angemessenen Versorgung der Wirtschaft mit Krediten und Liquidität bei.

Inflationsprognose wird nach unten angepasst

Die Inflationsaussichten unterliegen in der gegenwärtigen Situation weiterhin grosser Unsicherheit. Die neue bedingte Inflationsprognose liegt bis Ende 2021 leicht tiefer als im September. Der Hauptgrund dafür ist die erneute Verschlechterung der Wirtschaftslage als Folge der zweiten Pandemiewelle. In der längeren Frist ist die Inflationsprognose gegenüber jener von September unverändert. Für 2020 liegt die Prognose im negativen Bereich (-0.7%).

Im nächsten Jahr dürfte die Inflationsrate wieder höher liegen (0.0%) und 2022 leicht positiv sein (0.2%). Die bedingte Inflationsprognose beruht auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum bei -0.75% bleibt.

Wirtschaftsentwicklung wird durch die zweite Corona-Welle abermals beeinträchtigt

Die Corona-Pandemie und die Massnahmen zu ihrer Eindämmung lösten im ersten Halbjahr 2020 einen historischen Einbruch der Weltwirtschaft aus, auf welchen im dritten Quartal eine kräftige Erholung folgte. Dennoch blieb das Bruttoinlandprodukt (BIP) in den meisten Ländern deutlich unter seinem Vorkrisenniveau.

Seit Oktober sind die Ansteckungszahlen in Europa und den USA wieder rasch gestiegen, und es wurden erneut Eindämmungsmassnahmen ergriffen. Zeitnahe Indikatoren zeigen, dass die Wirtschaftsentwicklung dadurch abermals beeinträchtigt wird. Im Vergleich zum Frühling ist aber von geringeren Effekten auszugehen, da vielerorts weniger einschneidende Eindämmungsmassnahmen gewählt wurden.

Geld- und fiskalpolitische Massnahmen bilden eine wichtige Stütze

Die SNB nimmt in ihrem Basisszenario für die Weltwirtschaft an, dass die Pandemie in absehbarer Frist wieder unter Kontrolle gebracht wird und dass geeignete Massnahmen weitere Ansteckungswellen verhindern werden. Entsprechend sollte die wirtschaftliche Erholung im Verlauf des nächsten Jahres wieder an Schwung gewinnen.

Die weltweit ergriffenen geld- und fiskalpolitischen Massnahmen bilden dabei eine wichtige Stütze. Dennoch dürften die globalen Produktionskapazitäten noch längere Zeit unterausgelastet und die Inflation in den meisten Ländern bescheiden bleiben.

Konjunkturentwicklung ist mit Risiken behaftet

Dieses Szenario ist mit grosser Unsicherheit und mit Risiken in beide Richtungen behaftet. Einerseits könnten die Pandemie oder handelspolitische Spannungen die Konjunkturentwicklung zusätzlich belasten. Andererseits könnten die getroffenen fiskal- und geldpolitischen Massnahmen die Erholung stärker stützen als angenommen.

BIP wird nach Einschätzung der SNB 2020 um rund 3% schrumpfen

Auch die Schweizer Wirtschaft hat sich bis in den Spätsommer deutlich und stärker als ursprünglich erwartet von der ersten Pandemiewelle erholt. Nach einem Rekordanstieg lag das Bruttoinlandprodukt (BIP) im dritten Quartal noch 2% unter dem Vorkrisenniveau; im zweiten Quartal hatte es mehr als 8% daruntergelegen.

Im Oktober breitete sich das Coronavirus allerdings auch in der Schweiz wieder rasch aus. Infolgedessen haben sich die Konjunkturaussichten erneut eingetrübt. Die bisher ergriffenen Massnahmen gegen das Virus schränken die Wirtschaftstätigkeit zwar weniger ein als im Frühling. Dennoch dürfte die Wirtschaftsdynamik im Winterhalbjahr schwach ausfallen.

Das BIP wird nach Einschätzung der SNB dieses Jahr um rund 3% schrumpfen. An der Lagebeurteilung im September hatte die SNB mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet.

BIP-Wachstum dürfte 2021 zwischen 2.5% und 3% liegen

Die Revision ist darauf zurückzuführen, dass die BIP-Verluste in Folge der ersten Pandemiewelle weniger gross ausgefallen sind als ursprünglich erwartet. Die weitere Entwicklung hängt massgeblich davon ab, wie erfolgreich die Ausbreitung des Virus im In- und Ausland eingedämmt werden kann. Die SNB geht davon aus, dass die Eindämmungsmassnahmen in der Schweiz erst im Frühling deutlich gelockert werden.

Vor diesem Hintergrund rechnet die Nationalbank für 2021 mit einem BIP-Wachstum von 2.5% bis 3%. Die Erholung bleibt damit unvollständig. Die Arbeitslosigkeit dürfte nochmals ansteigen, und die Produktionsfaktoren werden noch eine Weile unterausgelastet bleiben. Wie für das Ausland unterliegt auch die Prognose für die Schweiz grosser Unsicherheit.

Anstieg der Immobilienpreise und Hypothekarkredite ist ein Risiko für die Finanzstabilität

Die Hypothekarkredite und Wohnliegenschaftspreise sind im zweiten und dritten Quartal 2020 weiter angestiegen. Entsprechend bleibt die Verwundbarkeit dieser Märkte bestehen und stellt weiterhin ein Risiko für die Finanzstabilität dar.

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