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Die Kosten der Negativzinsen werden stärker wahrgenommen

Die Kosten der Negativzinsen werden stärker wahrgenommen

Mit der Konjunkturabkühlung 2019 hat sich auch die Hoffnung auf eine rasche Normalisierung der Geldpolitik zerschlagen. Dabei sind die Schäden der Negativzinsen nach Ansicht vieler Marktteilnehmer höher als ihr Nutzen. Doch mit einer Normalisierung rechnen die meisten nicht vor 2025.

Während die Negativzinsen zu Beginn noch als vorübergehender Zustand betrachtet wurden, hat sich inzwischen die Meinung durchgesetzt, dass sie für einen langen Zeitraum in Kraft bleiben werden. In einer Umfrage der UBS im Rahmen der Publikation UBS Outlook Schweiz vom November 2019 gaben 55% der Unternehmen an, dass sie positive Zinsen nicht vor dem Jahr 2025 erwarten. Damit hat sich auch die Wahrnehmung der Kosten der Negativzinsen verändert.

Sorgen bereiten den Firmen die Gesundheit der Pensionskassen

Inzwischen sind gemäss der genannten Umfrage 60% der Unternehmen (55% der Unternehmen, deren Exportanteil 50% übersteigt) der Meinung, dass die Schäden der Negativzinsen höher sind als deren Nutzen. Rund 10% aller Unternehmen (respektive 20% der Exportunternehmen) sind der gegenteiligen Ansicht. Besondere Sorgen bereitet den Firmen die Gesundheit der Pensionskassen.

Zahlreiche Finanzinstitute setzen die Schwelle für Negativzinsen herunter

Aber auch auf der Bankenseite scheint das bis anhin funktionierende Gleichgewicht ins Wanken gekommen zu sein. Bisher verschonten die Banken die Kleinsparer vor Negativzinsen, nicht zuletzt, weil sie die Negativzinsphase als vorübergehend betrachtet haben. Nun setzen aber zahlreiche Institute die Schwelle für Negativzinsen herunter, womit die „Nebenwirkungen“ der Negativzinsen für einen grösseren Bevölkerungskreis spürbar werden.

Kosten einer starken Frankenaufwertung sind unverändert vorhanden

Die Kosten der Negativzinspolitik sind gestiegen, aber die Kosten einer starken Frankenaufwertung sind unverändert vorhanden. In der Umfrage der UBS gaben zwei Drittel der exportorientierten Unternehmen mit einem Exportanteil von über 50% an, dass sie bei einem EUR-CHF-Wechselkurs von Parität in die Verlustzone fallen würden. Diese Einschätzung gewinnt vor dem Hintergrund einer Konjunkturabkühlung in Europa und einer weiter expansiven Geldpolitik der EZB noch an Gewicht.

Viele Unternehmen sehen eine starke Aufwertung des Frankens zwar als Gefahr, die Negativzinsen jedoch anscheinend nicht als effizientes Gegenmittel. Oder sie erwarten auch ohne Negativzinsen keine Erstarkung des Frankens. Die SNB betont dagegen regelmässig die zentrale Bedeutung der Zinsdifferenz im Kampf gegen einen überbewerteten Franken.

Wie stark würde der Franken bei einer Strategieänderung der SNB reagieren?

Die grosse Unbekannte der Schweizer Geldpolitik ist, wie stark der Franken bei einer Strategieänderung der SNB tatsächlich reagieren wird. Das hängt zum einen von der Zinsdifferenz zwischen Schweizer und Eurozone-Geldmärkten ab, andererseits davon, wie stark der Franken als sicherer Hafen gesucht ist. Die Funktion als solchen ist bei schwacher Konjunktur ausgeprägter als bei guter. Deshalb ist es auch unwahrscheinlich, dass die SNB ihre Geldpolitik in den nächsten Quartalen grundlegend ändert – trotz gestiegener Kosten der Negativzinsen.

In einem schwachen Konjunkturumfeld ist es zu riskant zu testen, wie weit die Zinsdifferenz reduziert werden kann, bevor der Franken stark aufwertet. Wenn sich allerdings die Konjunktur verbessert und die Funktion des Frankens als sicherer Hafen in den Hintergrund rückt, könnte die SNB durchaus rascher als bisher zu einer restriktiveren Geldpolitik schreiten und die Zinsen anheben. Das würde dann auch zu einer symmetrischeren Geldpolitik führen.

Zinsanstieg am langen Ende setzt sich nicht fort

Die Kehrtwende der Zentralbanken und die Angst vor einer Eskalation des Handelsstreits liessen die 10-jährigen Schweizer Zinsen zur Jahresmitte auf neue Tiefststände sinken. Seither ist aber ein stetiger Anstieg zu beobachten, was auf die Beruhigung der Konjunktur und des Handelsstreits zurückzuführen ist. Allerdings dürfte sich dieser Trend im neuen Jahr nicht fortsetzen. Die Erwartung, dass die Leitzinsen der Zentralbanken noch über Jahre auf ihrem tiefen Niveau verharren werden, gibt den Zinsen kaum mehr Spielraum, weiter zu steigen. Viel eher zu erwarten ist ein Seitwärtstrend über die nächsten 12 Monate.

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