HomeINVESTDie Covid-19-Krise beschleunigt den Strukturwandel in der europäischen Immobilienbranche

Die Covid-19-Krise beschleunigt den Strukturwandel in der europäischen Immobilienbranche

Die Covid-19-Krise beschleunigt den Strukturwandel in der europäischen Immobilienbranche

Immobilien stehen vor «enorm schwierigen Zeiten», bleiben aufgrund der niedrigen Zinssätze langfristig aber attraktiv, besagt eine Studie von PwC. Danach steigt Berlin zum zukunftsträchtigsten Standort in Europa auf, während Zürich Platz 20 einnimmt.

Der Fokus auf lokale Märkte nimmt in der Krise zu. Die Schweizer Investorenszene bestätigt diesen Trend. Grenzübergreifende Investitionen und Due Diligence Prozesse gestalten sich schwierig und viele Investoren haben diese im 2020 gemieden. Die Transaktionsvolumina sind in vielen von internationalen Investoren dominierten Märkten deutlich gesunken. Man spricht in den grössten europäischen Investitionsmärkten von einem Rückgang von durchschnittlich knapp 50%.

Deutschland steht als interessanter Markt an erster Stelle

Unter den weiterhin interessanten und aktiven ausländischen Märkten steht Deutschland an erster Stelle. Deutsche Grossstädte bleiben auch während der Corona-Pandemie sichere Häfen für Schweizer und andere europäische Immobilieninvestoren. Wie die Studie «Emerging Trends in Real Estate 2021» der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und des Urban Land Institute ergab, profitiert der deutsche Immobilienmarkt dabei insbesondere von der vergleichsweise robusten heimischen Konjunktur. Die Mehrzahl der knapp 1’000 befragten Branchenexperten werten die Lockdown-Massnahmen der Bundesregierung als effektiv. Hinzu komme die nach wie vor geringe Verfügbarkeit von Büro-, Wohn- und Logistikimmobilien in deutschen Metropolen.

Berlin ist neuer Spitzenreiter

Damit rückt Berlin im Ranking der europäischen Städte mit den besten Investment-Gelegenheiten für das kommende Jahr auf den ersten Platz. Frankfurt (4), Hamburg (6) und München (7) zählen ebenfalls zu den zehn Städten mit den attraktivsten Investmentperspektiven in Europa. Der Studie zufolge verfügen sie langfristig über eine ähnlich hohe Liquidität und Stabilität wie London (2) und Paris (3).

London wird wegen Preisrückgängen wieder attraktiver

London rangierte im Vorjahr noch auf Platz 4 – wird aber wegen der Aussicht auf mögliche Preisrückgänge bei Spitzenimmobilien aufgrund des Brexits wieder attraktiver.

Paris bleibt ein langfristig attraktives Investitionsziel

Der Vorjahresfavorit Paris fällt zurück, bleibt aber langfristig ein attraktives Investitionsziel für Logistik-, Wohn- und Büroimmobilien. Frankreichs Hauptstadt profitiert dabei von dem Infrastruktur-Projekt «Grand Paris» für 26 Milliarden Euro und den 2024 stattfindenden Olympischen Sommerspielen.

Amsterdam verharrt dank seiner innovativen digitalen Infrastruktur und seinem reichen Angebot an Büro-, Wohn- und Logistikimmobilien auf Platz 5.

Logistik-Immobilien im Bereich Biotechnologie und Gesundheitswesen sind begehrt

Zu den begehrtesten Objekten im kommenden Jahr zählen Logistik-Immobilien, Datenzentren sowie Objekte der Bereiche Biotechnologie und Gesundheitswesen. Nach Einschätzung der Befragten profitieren diese Anlageziele von der fortschreitenden Digitalisierung, deren Tempo durch die Corona-Krise noch beschleunigt wird.

Bedeutung von ESG-Kriterien nimmt zu

Bei der Suche nach langfristigen Erträgen wächst der Studie zufolge auch die Bedeutung von ESG-Kriterien (Environmental/Social/Governance) für Investitionsentscheidungen. «Während Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte in den Anlagestrategien bereits häufig berücksichtigt werden, rücken zunehmend auch soziale Aspekte wie Diversity und deren ökonomische Vorteile in den Vordergrund», erklärt Marie Seiler, Partner und Leader Real Estate Advisory von PwC Schweiz.

«Im Zuge der steigenden, wertschöpfenden Bedeutung von nachhaltigen Investments und regulatorischen Rahmenbedingungen sind transparente Mess- und Bewertungskriterien wichtig, um die tatsächlichen ESG-Impacts zu betonen. Dabei ist der Kerngedanke der Nachhaltigkeit und dessen langfristig wertschöpfendes Potential in der Unternehmensphilosophie einflussreicher eingesetzt, als dies auf der Objektebene kalkulierbar umgerechnet werden kann», ergänzt Marie Seiler.

Besorgnis über mögliche Mietausfälle nimmt zu

2021 sehen sich 55% der Befragten (Vorjahr: 53%) als Nettokäufer – insbesondere von Wohn-, Logistik- und Core-Büroimmobilien, obwohl die Besorgnis über mögliche Mietausfälle bei Büro- und Einzelhandels-Objekten während der Pandemie deutlich zugenommen hat. Demnach rückt auch die Prüfung zugrundeliegender operationeller Risiken bei Mietern zunehmend in den Fokus von Investoren.

Zahl attraktiver Investitionsobjekte nimmt ab

Die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer äusserten sich zudem besorgt bis sehr besorgt über die Verfügbarkeit attraktiver Investitionsobjekte. Weitere 56% befürchten, dass sie künftig mehr Eigenkapital für die Finanzierung und Refinanzierung vorhalten müssen.

Über die Studie

Die Studie «Emerging Trends in Real Estate – An Uncertain Impact: Europe 2021» ist die 18. Ausgabe der jährlichen Befragung von PwC und dem Urban Land Institute zu Trends und Entwicklungen der europäischen Immobilienbranche. An der Umfrage nahmen 995 Vertreter von Immobilienfirmen, Investmentmanagern, Immobilienentwicklern, Institutionellen Investoren, Kreditgebern, börsengehandelten Immobilienfonds und Bauträgern in Europa teil.

Was lernen wir daraus?
  1. Deutsche Grossstädte bleiben auch während der Corona-Pandemie sichere Häfen für Schweizer und andere europäische Immobilieninvestoren. Der deutsche Immobilienmarkt profitiert insbesondere von der robusten heimischen Konjunktur. Soll heissen: Eine robuste Wirtschaft benötigt auch künftig Immobilien, weshalb ihre Preise in absehbarer Zeit kaum sinken dürften. Hinzu kommt die nach wie vor geringe Verfügbarkeit von Büro-, Wohn- und Logistikimmobilien in deutschen Metropolen. Die Preise werden also stabil bleiben und tendenziell steigen.
  2. Zu den begehrtesten Objekten dürften 2021 Logistik-Immobilien (etwa für die Lagerung und den Umschlag von Corona-Impfstoffen), Datenzentren (aufgrund der zunehmenden Digitalisierung) sowie Objekte der Bereiche Biotechnologie und Gesundheitswesen zählen.
  3. Die Verfügbarkeit von attraktiven Investitionsobjekten nimmt aufgrund der zunehmenden Nachfrage ab. Trifft ein knappes Angebot auf eine wachsende Nachfrage, steigen die Preise.
  4. Investoren dürften aufgrund der knappen Verfügbarkeit und der steigenden Preise für attraktive Investitionsobjekte künftig mehr Eigenkapital für deren Finanzierung und Refinanzierung benötigen. Der Aufwand steigt also.
  5. Wegen der vorherrschenden Corona-Pandemie hat die Besorgnis über mögliche Mietausfälle bei Büro- und Einzelhandels-Objekten deutlich zugenommen. Das könnte die Erträge schmälern. Entsprechend rückt die Prüfung zugrundeliegender operationeller Risiken bei Mietern zunehmend in den Fokus von Investoren.
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