HomeINVESTDie Corona-Pandemie beschleunigt den Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft

Die Corona-Pandemie beschleunigt den Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft

Die Corona-Pandemie beschleunigt den Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft

Der Ölkonzern British Petroleum (BP) rechnet für das 2. Quartal 2020 mit Abschreibungen auf seinen Vermögenswerten in Höhe von 13 bis 17,5 Milliarden US-Dollar. Diese Wertverminderung zeigt auf, wie riskant Investments in Unternehmen der fossilen Branche geworden sind.

PB hat seine langfristigen Prognosen für die Entwicklung der Öl- und Gaspreise gesenkt: Der Ölmulti rechnet für die Jahre 2021 bis 2050 noch mit durchschnittlich 55 Dollar je Barrel für die Ölsorte Brent. Hauptgrund ist die sinkende Nachfrage; diese ist im Zuge der Coronavirus-Pandemie stark zurückgegangen. PB geht ausserdem davon aus, dass die Corona-Krise den Übergang zu einer generell kohlenstoffärmeren Wirtschaft beschleunigen wird.

BP musste aufgrund des Ölpreiszerfalls und der gesunkenen Nachfrage schon im ersten Quartal Gewinneinbussen hinnehmen. Dennoch entschied sich der Konzern, Dividenden auszuschütten. Vergangene Woche nun kündigte BP an, weltweit 10’000 Stellen abzubauen. Der Konzern zählt weltweit 70’000 Mitarbeitende.

Investitionen in fossile Energien bergen Risiken

Fachleute warnen schon lange, dass Investitionen in fossile Energien nicht nur ein grosses ökologisches Risiko darstellten, sondern auch ein erhebliches finanzielles. Sie rechnen mit einer starken Wertminderung von Unternehmen der fossilen Branche – und zwar noch bevor griffige Gesetze und neue Technologien zu einer sinkenden Nachfrage nach fossilen Energien führen werden. Der Ausbruch des Corona-Virus und der folgenden Pandemie dürfte nun den Ausschlag gegeben haben.

Sorgfaltspflichten gelten auch für Klimarisiken

Auch der Bundesrat unterstützt die Berücksichtigung von Klimarisiken. In seiner Antwort auf eine Interpellation (17.4315) von Ständerat Raphaël Comte (FDP) hat er formuliert, dass er darauf setze, «dass der Einbezug solcher Langzeitrisiken wie des Klimawandels im Rahmen der treuhänderischen Pflicht von institutionellen Investoren gegenüber ihren Versicherten und Kunden angemessen berücksichtigt wird».

Tatsächlich zeigt eine Studie des Bundesamts für Umwelt (BAFU) von 2017 auf, dass die heutigen Investitionen von Schweizer Pensionskassen und Versicherungen im Durchschnitt eine Erderwärmung von 4-6 Grad Celsius statt der im Pariser Klimaabkommen anvisierten 1.5 Grad unterstützen.

Pensionskassen und Versicherungen müssen umdenken

Ein Rechtsgutachten im Auftrag der Klima-Allianz Schweiz der Kanzlei ‘Niederer Kraft Frey’ zeigt auf, dass die treuhänderische Sorgfaltspflicht auch bei Klimarisiken gilt, die einen Einfluss auf die Performance haben könnten. Danach müssen Pensionskassen sich abzeichnende Wertverluste auf den Anlagen in Unternehmen der fossilen Energien entdecken und vermeiden. Das Gutachten stelle weiter fest, dass den Pensionskassen nichts entgegenstehe, im Rahmen ihrer Sorgfaltspflichten Investitionen in die besonders betroffenen Unternehmen der fossilen Energien Kohle, Erdöl und Erdgas auszuschliessen.

Fehlinvestitionen führen zu Rentenverlusten

Die Klima-Allianz fordert die Pensionskassen deshalb dazu auf, jetzt zu handeln und sich ernsthaft mit der Umschichtung ihrer Wertschriften zu befassen. Ansonsten drohten Rentenverluste aufgrund von Fehlinvestitionen in veraltete fossile Technologien.

Nationalbank sendet dem Schweizer Finanzplatz falsche Signale

Ihre Kritik richtet sich allerdings auch gegen die Schweizerische Nationalbank (SNB): Sie sende dem Schweizer Finanzplatz falsche
Signale. Dabei hinke die Nationalbank mit ihrer Klimapolitik den anderen europäischen Zentralbanken hinterher. Dadurch verleite
sie den Schweizer Finanzplatz zu risikoreichen Investitionen. Basierend auf einer aktuellen Studie über die Anlagen der Nationalbank in fossile Energieträger fordern der Verein Artisans de la transition und die Klima-Allianz Schweiz dringend ein Risikomanagement, das den Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweizer Wirtschaft besser Rechnung trage.

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