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Der Detailhandel leidet stark unter der Corona-Pandemie

Der Detailhandel leidet stark unter der Corona-Pandemie

Während dem Lockdown sind die Passantenfrequenzen in der Schweiz um bis zu 80% eingebrochen. Doch der Detailhandel muss auch in Zukunft mit geringeren Frequenzen rechnen, da die Home-Office-Anteile gross bleiben dürften.

In einem turbulenten Jahr 2020 haben sich die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus unterschiedlich auf die verschiedenen Segmente des Schweizer Detailhandels ausgewirkt, wie aus der Credit Suisse Studie «Retail Outlook» hervorgeht, welche sie in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Fuhrer & Hotz publiziert hat. Insbesondere der Lockdown von Mitte März bis Mitte Mai hatte markante und gleichzeitig sehr unterschiedliche Konsequenzen für die Umsatz- und Gewinnentwicklung der verschiedenen Segmente in der Retail-Branche. Während der Food-Detailhandel stark profitieren konnte, brachen die Umsätze der meisten Non-Food-Bereiche infolge des Lockdowns ein. Danach stützten der Nachholkonsum sowie der erstarkte Inlandstourismus im Sommer und Herbst die Umsätze im Non-Food-Detailhandel. Einzig das Bekleidungs- und Schuhsegment konnte von diesen Effekten nicht profitieren. Die rückläufige Umsatzentwicklung der letzten Jahre setzte sich 2020 auch nach überstandenem Lockdown fort.

Fussgängerfrequenzen brachen um 60% bis 80% ein

Die vorübergehende staatlich angeordnete Einschränkung des öffentlichen Lebens beeinträchtigte nicht nur den Geschäftsgang der Non-Food-Filialen, die temporär schliessen mussten. Die Auswirkungen waren je nach Lage auch für Lebensmittelhändler spürbar. Hierbei kristallisierte sich das veränderte Mobilitätsverhalten der Konsumenten als Treiber heraus. Anhand von Modellberechnungen ermitteln die Ökonomen der Credit Suisse in Zusammenarbeit mit der Senozon AG, dass sich die Fussgängerfrequenzen während des Lockdowns aufgrund der erhöhten Home-Office-Anteile und der zeitweisen Schliessung der (Hoch-) Schulen um bis zu 80% in städtischen und um bis zu 60% in ländlichen Gebieten verringert haben.

Erhöhte Home-Office-Anteile machen ländliche Regionen und Wohngebiete attraktiver

Unter der Annahme, dass Home-Office auch in Zukunft verbreitet bleiben wird, ermitteln die Autoren auf Basis einer Szenarioanalyse die Konsequenzen für das Filialnetz der Schweizer Detailhändler. Passantenfrequenzen dürften demnach um 5% bis 30% abnehmen, wobei städtische Gebiete stärker betroffen sein werden als ländliche. Innerhalb der Städte ist der Rückgang der Frequenzen in Quartieren, in denen besonders viele Büros angesiedelt sind, und in Mischgebieten deutlich ausgeprägter als in Wohnquartieren. Letztere gehören zusammen mit den ländlichen Regionen zu den am wenigsten betroffenen Gegenden.

Service sowie kontaktlose Pick-up- und Bezahl-Lösungen rücken in den Vordergrund

Infolge des Lockdowns und der ausbleibenden respektive verringerten Frequenzen haben die stationären Detailhändler verschiedene Massnahmen getroffen. Anhand einer globalen Analyse zeigen die Studienautoren, dass das Hauptschwergewicht grösstenteils auf Anpassungen im Bereich Service und Dienstleistung gelegt wurde. Hervorzuheben sind Massnahmen zum Schutz der Gesundheit von Kunden und Mitarbeitenden mithilfe von neuen, vorzugsweise kontaktlosen Pick-up-Lösungen. Auch dem reibungs- und kontaktlosen Bezahlprozess wurde viel Aufmerksamkeit geschenkt. In Anbetracht der Umstände intensivierten Händler ihre Aktivitäten im Bereich Online-Handel oder Omnichannel-Strategie.

Ausblick 2021: Messlatte in vielen Segment hoch angesetzt

Die Voraussagen für das Jahr 2021 sind mit hoher Unsicherheit behaftet. Die Ökonomen der Credit Suisse gehen aber davon aus, dass das Konsumverhalten der Schweizer Bevölkerung noch für einige Monate durch die Pandemie mitbestimmt wird. Gleichzeitig ist die Messlatte in vielen Segmenten durch die starke Umsatzentwicklung im Vorjahr sehr hoch angesetzt. Diesen Basiseffekt wird gemäss den Studienautoren insbesondere der Food-Handel zu spüren bekommen (Prognose 2021: -6%). Hingegen sollte der Umstand, dass die Effekte der Covid-19-Pandemie noch für einige Monate Bestand haben dürften und sich das Konsumverhalten nur langsam normalisieren wird, den Non-Food-Bereich stützen. Zusammen mit einer prognostizierten Erholung im Bekleidungs- und Schuhsegment sollte dies 2021 zu einem Non-Food-Umsatzwachstum von 2% führen, sagen die Autoren.

Hier geht es zum Retail Outlook vom Januar 2021 «COVID-19-Pandemie und Schweizer Detailhandel: Gestern, heute, morgen».

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