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Das Wirecard-Debakel schädigt auch Pensionskassen

Das Wirecard-Debakel schädigt auch Pensionskassen

Der einst vielversprechende deutsche Zahlungsabwickler Wirecard ist insolvent. Betroffen sind u.a. Kreditgeber und Investoren. Es geht um Milliardenverluste. Auch Pensionskassen haben sich noch 2019 mit entsprechenden Produkten eingedeckt.

Das deutsche Unternehmen Wirecard galt als Überflieger, das in wenigen Jahren DAX-Unternehmen vom Sockel stiess. 1999 gegründet, wurde der Zahlungsabwickler 2018 in den Deutschen Aktienleitindex DAX aufgenommen. Dafür musste das DAX-Gründungsmitglied Commerzbank seinen Platz räumen; sie wurde vom TecDax-Aufsteiger abgelöst. Wirecards Marktwert lag zeitweise bei mehr als 20 Milliarden Euro, und damit höher als jener der Deutschen Bank. Seinen Erfolg verdankte Wirecard dem Abwickeln von elektronischen Zahlungen sowie der Herausgabe von Kreditkarten.

Es besteht der Verdacht der Bilanzfälschung und der Manipulation des Börsenkurses

Und seinem 2002 eingestiegenen und als Mastermind geltenden Chef Markus Braun. Doch der Österreicher muss sich inzwischen wegen 1,9 Milliarden Euro, die verschwunden sind, vor der deutschen Justiz verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Braun vor, Wirecards Bilanzsumme künstlich aufgebläht zu haben, um das Unternehmen finanzkräftiger und für Investoren und Kunden attraktiver erscheinen zu lassen. Sie ermittelt nun wegen des Verdachts der Bilanzfälschung und der Manipulation des Börsenkurses.

Prüfgesellschaft EY verweigerte das Testat

Der Bilanzskandal flog auf, nachdem die Prüfgesellschaft EY, die das Unternehmen seit Jahren betreut, Wirecard das Testat für den Geschäftsbericht 2019 verweigert hat. Wirecard, mit Sitz nahe München, sind laut eigenen Angaben mit «überwiegender Wahrscheinlichkeit» 1,9 Milliarden Euro abhandengekommen. Das Geld soll auf Treuhandkonten in Asien gelegen haben. Doch es scheint unklar, ob das Geschäft in Asien, das lange als Wachstums- und Gewinntreiber galt, überhaupt existierte.

BaFin leitete 2019 Ermittlungen ein

Dabei gab es schon längere Zeit Zweifel an Wirecards Geschäftsgebaren. So geriet das Unternehmen bereits vor Jahren ins Visier von Journalisten und Leerverkäufern, die auf fallende Aktienkurse setzten. Damals ging es wohl noch um 250 Millionen Euro, die fraglich waren. Doch Braun erklärte im Geschäftsbericht 2018, dass die damals bereits aufgenommenen Untersuchungen in Asien zu keinen Hinweisen auf Korruption geführt hätten. 2019 schliesslich leitete die deutsche Finanzaufsicht BaFin Ermittlungen ein.

Wirecard ist pleite

Inzwischen ist klar: Wirecard steht vor der Pleite und hat beim Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Auch werde geprüft, ob man für Tochtergesellschaften Insolvenzanträge stellen müsse.

Geldgeber dürften Verluste einstreichen

Davon betroffen sind unter anderem 15 Banken, die Wirecard Kredite in Höhe von 1,75 Milliarden Euro gesprochen haben sollen, wie Medien berichten. Zu den grössten Geldgebern sollen ABN Amro, Commerzbank, ING, LBBW, Barclays, Crédit Agricole, DZ Bank und Lloyds gehören. Die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse zählen offenbar nicht dazu.

Investoren werden Verluste erleiden

Ins Visier gerät zunehmend aber die Credit Suisse. Sie soll Wirecard noch 2019 geholfen haben, 900 Millionen Euro an frischem Kapital aufzunehmen, wie Medien berichten. Davon sollen 340 Millionen Euro für die Abzahlung von Krediten vorgesehen gewesen sein, 200 Millionen Euro für einen Aktienrückkauf und 360 Millionen für die Entwicklung neuer Produkte. Ob dies geschah, ist offenbar unklar.

Schweizer Banken haben Anlegern strukturiertes Produkt verkauft

Geldgeber war wohl der japanischen Technologiekonzern Softbank, der eine Partnerschaft mit Wirecard eingegangen sein soll. Der Investor hat die Anteile aber offenbar mit Hilfe der Credit Suisse an Drittinvestoren weitergereicht. Darunter sollen sich auch Pensionskassen befunden haben. Die Credit Suisse soll über das niederländische Unternehmen Argentum eine Wandelanleihe auf den Markt gebracht haben. Eine Wandelanleihe ist eine von einer Anteilsgesellschaft ausgegebene und in der Regel mit einem Nominalzins ausgestattete Anleihe, die dem Inhaber das Recht einräumt, sie während einer Wandlungsfrist zu einem vorher festgelegten Verhältnis in Aktien einzutauschen; andernfalls wird die Anleihe zum Ende der Laufzeit zur Rückzahlung fällig. Mit dem Absturz der Wirecard-Aktie hat die Wandelanleihe nun aber massiv an Wert verloren. Den Käufern dieser Papiere droht ein grosser Verlust.

Credit Suisse soll allerdings nicht die einzige involvierte Schweizer Bank gewesen sein. Medien berichten auch Vontobel und UBS hätten es Anlegern ermöglicht, in das «vielversprechende» Unternehmen zu investieren. Wurde die Wirecard Aktie am 7. September 2018 noch für 192.45 Euro gehandelt, so liegt ihr Wert am 26. Juni 2020 bei 1.70 Euro.

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