HomeRATGEBERIHRE FRAGENBietet Fund-Crowding im Tiefzinsumfeld eine Alternative zu klassischen Anlagen?

Bietet Fund-Crowding im Tiefzinsumfeld eine Alternative zu klassischen Anlagen?

Bietet Fund-Crowding im Tiefzinsumfeld eine Alternative zu klassischen Anlagen?

Crowdinvesting ermöglicht es Privatinvestoren, sich mit kleinen Summen direkt an Projekten und Start-ups zu beteiligen. Die Rendite kann dabei sehr hoch ausfallen. Doch aufgepasst: Läuft das Projekt schief, droht ein Totalverlust.

Als Privatinvestor Anteile beispielsweise an einem Start-up zu erwerben, war lange Zeit nicht möglich. Heute ist es gefragt. Denn die Start-up-Szene blüht; das Schweizer Handelsregister verzeichnete alleine zwischen Januar und August (Stand 13.08.2019) 27’929 Neueintragungen. Die sogenannten Crowdinvestments machen diesen Markt nun seit einigen Jahren auch Privatinvestoren zugänglich.

Was ist Crowdinvesting?

Crowdinvesting (auch ‘equity-based Crowdfunding’ genannt) ist eine Form des Crowdfundings, bei der die Crowd (Projektfinanzierer bzw. Geldgeber) am Erfolg des Unternehmens oder des Projektes beteiligt wird. Dabei investiert jeder einzelne eine gewisse Summe und wird dann wie alle Mitglieder der Crowd entsprechend seinem Anteil am Gewinn des Unternehmens mit einer Rendite beteiligt. Die Investoren geben in der Regel Eigenkapital und erwarten dafür oftmals eine Dividende als Gewinnbeteiligung.

Auch Crowdlending oder Crowddonating sind Formen des Crowdfundings, jedoch mit einer anderen Ausprägung. Während Crowdlending einem Kredit ähnelt, geht es bei Crowddonating oftmals um Spenden für bestimmte Kampagnen.

Unterliegt Crowdinvesting bestimmten rechtlichen Vorgaben?

Das schweizerische Aufsichtsrecht kennt keine spezifischen Bestimmungen zum Thema Crowdfunding. Es sind daher die geltenden Bestimmungen in den Finanzmarktgesetzen anwendbar. «Da Crowdfunding-Geschäftsmodelle sehr unterschiedlich sein können, muss jedes individuell auf eine allfällige Bewilligungspflicht abgeklärt werden», rät die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA.

Als Bank gilt, wer von mehr als 20 Personen Gelder aufnimmt und verzinst

Das macht die Sache jedoch komplizierter. In der Schweiz gilt die sogenannte 20er-Regel: Als Bank gilt, wer von mehr als 20 Personen Gelder aufnimmt und verzinst. Da Crowdlending aber auf eine grosse Anzahl Kreditgeber angewiesen ist, wird es durch die Regulierung massiv eingeschränkt.

Die Schweizer Fintech-Regulierung besteht jedoch aus verschiedenen Komponenten, wobei für Crowdlender eine Ausnahme gilt: Wer nur bis zu eine Million Franken Kredite aufnimmt, wird von der 20er-Regel ausgenommen und gilt nicht als Bank. Interessant dabei ist, dass diese Regel nicht auf die Crowdlending-Plattformen, sondern auf deren Kunden angewendet wird, also auf die KMU und Privatpersonen, die sich ein Darlehen von vielen Personen via Internet beschaffen wollen. In der Schweiz betrifft die Fintech-Regulierung also nicht Finanz-Startups, sondern Personen und Firmen aus der Realwirtschaft.

20er-Regel fällt unter bestimmten Voraussetzungen

Von der Ausnahme profitiert jedoch nur, wer einer «gewerblich-industriellen Tätigkeit» nachgeht. Diverse Crowdlending-Dienstleistungen können in der Schweiz somit nicht erbracht werden. Bedeutende Geschäftsfelder wie die Vermittlung von Hypotheken oder Konsumkrediten werden weiterhin durch die 20er-Regel eingeschränkt. Selbst Vereine sind bei der Aufnahme verzinster Darlehen an die 20er-Regel gebunden. Wer also ein Studentendarlehen, einen Konsumkredit oder eine Hypothek aufnehmen will, muss das Geld von weniger als 20 Personen auftreiben. Die Risikodiversifikation wird dadurch beschnitten. Die 20er-Regel fällt indes für Personen und Unternehmen, die mit einem Kredit bis maximal 1 Million Franken eine «gewerblich-industrielle Tätigkeit» finanzieren.

Welche Crowdinvesting-Plattformen gibt es in der Schweiz?

Projektentwickler schalten die Projekte, die über die Masse (Crowd) finanziert werden, im Internet auf einer Plattform (Crowdfunding-Plattform) auf. Interessiert sich en Projektfinanzierer für ein Projekt, kann er dieses auf dieser Plattform finanziell unterstützen.

Laut der Studie «Crowdfunding Monitoring Switzerland 2018» gibt es in der Schweiz folgende Crowdinvesting-Plattformen:

Tabelle

Was sind reale Beispiele für Crowdinvesting?

Zum Crowdinvesting gehört auch Crowdfunding im Immobilienbereich. Darauf spezialisierte Websites machen es möglich, dass sich Investoren für ein Immobilienprojekt zusammentun können. Über die Plattform Crowdhouse finanzierten 25 Miteigentümer ein Haus im Wert von mehr als 10 Millionen Franken mit 16 Wohnungen in Obfelden im Kanton Zürich. Das Mindestinvestment betrug 100’000 Franken und die Rendite wird auf 5,5% pro Jahr geschätzt.

Über die österreichische Plattform ‘Conda’ konnte das Start-up sanSirro 348’400 Euro bei 243 Investoren einwerben, um intelligente Sportkleidung auf den Markt zu bringen, die Daten wie Herzfrequenz, Atmung oder Muskelkontraktionen registrieren kann. Die Mindestanlage betrug 100 Euro und die Unterstützer erhalten eine Rendite von 4.5%.

Für wen eignet sich Crowdinvesting?

Ein finanzielles Engagement ist beim Crowdinvesting – anders als bei klassischen Investments – auch mit kleinen Summen möglich; auf einigen Plattformen schon ab 100 Franken. Die Entscheidungsbefugnis des Investors ist jedoch häufig begrenzt, damit die Handlungsfreiheit der Führungsriege des Unternehmens gewahrt bleibt. Das Geschäftsmodell ist je nach Plattform unterschiedlich: Bei ‘C-Crowd’ kann jeder investieren; ‘Investiere’ hingegen wendet sich an qualifizierte Investoren.

Crowdinvesting ist sowohl für Unternehmen als auch für Investoren interessant, da der zu erwartende Gewinn und somit auch die zu erwartende Rendite relativ hoch ausfallen können. Das hängt im Einzelnen natürlich vom jeweiligen Unternehmen und vom Projekt ab, das Investoren möglichst genau prüfen sollten. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass das Risiko im Bereich des Crowdinvestings durchschnittlich um ein Vielfaches höher liegt als beispielsweise bei Aktien oder Triple-A-Staatsanleihen.

Die meisten Kampagnen sind so konzipiert, dass bei Nichterreichen des Ziels die Investitionssummen zurückgezahlt werden. Einen Schutz vor Verlust gibt es jedoch nicht. Geht ein Start-up bankrott, ist oftmals das investierte Geld samt möglicher Rendite verloren.

Wir können Risiken minimiert werden?

«Um das Risiko beim Crowdinvesting zu minimieren, ist es unerlässlich, sich das potentielle Investment-Projekt möglichst genau anzuschauen und umfassende Informationen einzuholen», rät der Finanzexperte Tim Stockschläger auf «biallo.de». Man könne den Anbieter, das Projekt oder das Unternehmen in aller Regel auch persönlich anschreiben und Fragen stellen. Ansonsten sei es wie an der Börse auch: «Diversifikation ist wichtig!»

Man sollte seine Investments also möglichst breit streuen und nicht alles Geld in ein Unternehmen stecken. Besser ist, viele kleinerer Beträge in verschiedene Projekte zu investieren.

Wie erstellt man eine Kampagne?

«Crowdinvesting als Finanzierungsmodell für Projekte oder Unternehmen wird immer beliebter», weiss Stockschläger. Eine neue Kampagne sei bei den meisten Anbietern in wenigen Minuten erstellt – zumindest theoretisch. Die Benutzeroberflächen seien selbsterklärend. Automatisch eingeblendete Tipps und ergänzende Hilfsdokumente unterstützten die Projektentwickler bei der Kampagnenerstellung und legten die Richtlinien fest.

In der Praxis sei eine gute Kampagne allerdings nicht in wenigen Minuten erstellt, wie Stockschläger betont. Wer womöglich grössere Geldbeträge einsammeln wolle, soll etwas Leidenschaft in die Arbeit stecken. Die Investoren seien keine professionellen Anleger, sondern kämen aus der breiten Masse. Daher sei es wichtig, diese Zielgruppe auch anzusprechen, so der Experte.

Wie er weiter rät, solle man auf starke Emotionen, aussagekräftige Bilder und Klarheit bei der Vorgehensweise setzen und das Team in den Mittelpunkt stellen. Umfragen hätten gezeigt, dass Investoren sehr stark darauf achten würden, welchen Eindruck die Mitarbeitenden bei ihnen hinterliessen.

Für Stockschläger gehören zu den Grundlagen einer guten Kampagne folgende Basics:

  • sämtliche Zahlen offenlegen
  • das Wachstumsmodell sollte nachhaltig erreichbar sein
  • eine detaillierte Planung und Ausarbeitung sind unerlässlich
  • Ankündigungsphase für Marketing nutzen (insbesondere Social Media)
  • Kontakte knüpfen und Begeisterung wecken
  • die eigene Story von Freunden und Bekannten kritisch hinterfragen lassen.

«Doch egal mit welcher ‚Story‘ man die Investoren überzeugen möchten – elementare Informationen über Unternehmen und Projekt dürfen natürlich nicht fehlen», so Stockschlägers Fazit.

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